Umweltproteste in Argentinien: Umstrittener Tagebau gestoppt

Die Provinz Chubut setzt nach Umweltprotesten die umstrittene Zulassung eines Tagebaus aus. Jetzt soll eine Volksbefragung entscheiden.

Ein Gebäude mit zerschlagenen Fenstern brennt

Der Sitz der Provinzregierung in Rawson wurde am 16. Dezember bei Protesten in Brand gesetzt Foto: Daniel Feldman/reuters

BUENOS AIRES taz | Nach tagelangen Protesten in der argentinischen Provinz Chubut hat Gouverneur Mariano Arcioni die umstrittene Zulassung eines Tagebaus ausgesetzt. Stattdessen rief er am Montag zu einer Volksbefragung innerhalb der nächsten 180 Tage auf, bei der die Bevölkerung sich für oder gegen das Bergbauprojekt aussprechen soll.

Konkret geht es um die Zulassung des Silber-, Kupfer- und Bleiabbaus mithilfe toxischer Substanzen. Seit mehr als zehn Jahren drängt das kanadische Unternehmen Pan American Silver auf die Realisierung dieses Vorhabens. Zwar untersagt ein Provinzgesetz jegliche Bergbauaktivitäten dieser Art, Hintertürchen sind jedoch vorhanden.

Ein solches hatte Gouverneur Arcioni vergangenen Mittwoch genutzt und ließ das Provinzparlament überraschend mit knapper Mehrheit für die Zulassung solcher Bergbauaktivitäten in zwei Provinzbezirken stimmen.

Nur wenige Stunden nach der Entscheidung kam es in der Provinzhauptstadt Rawson zu ersten Protesten, die bereits im Laufe der Nacht heftig eskalierten. Tags darauf wurden der Sitz der Provinzregierung sowie Einrichtungen der Provinzjustiz in Brand gesteckt. Mindestens 30 Uniformierte wurden verletzt, die Zahl der verletzten Protestierenden ist nicht bekannt. Auch an den folgenden Tagen danach kam es in den großen Provinzstädten zu Protestaktionen. Unterstützung kam selbst von der katholischen Kirche, die „um des Friedens willen“ zur Aussetzung der Entscheidung aufrief.

Widerständige Tradition

Der Widerstand gegen Bergbauprojekte hat in der Provinz Chubut eine lange und erfolgreiche Tradition. Als dessen Startschuss gilt eine Anfang 2003 in der Stadt Esquel durchgeführte Volksabstimmung. Damals sprachen sich mehr als 80 Prozent der Stadtbevölkerung gegen ein Minenprojekt aus. Nur wenig später verbot das Provinzparlament jegliche Bergbauaktivität mit dem Einsatz giftiger Substanzen.

Die jetzt als Ausweg von Gouverneur Arcioni angekündigte Volksbefragung dient denn auch mehr dessen Gesichtswahrung. Fraglich ist, ob sie tatsächlich stattfinden wird. Bereits mehrfach wurden in Chubut Plebiszite über den Bergbau durchgeführt. Stets hatte sich eine Mehrheit gegen solche Vorhaben ausgesprochen. Befürchtet wird eine Kontaminierung des Trinkwassers durch den Einsatz der Chemikalien, mit denen die Metalle aus dem zermahlenen Gestein ausgewaschen werden. „El agua vale más que el oro – Wasser ist mehr wert als Gold“, lautet das zentrale Motto des Widerstands.

Die patagonische Provinz Chubut erstreckt sich in Trapezform vom Atlantik bis zu den Anden. Entlang der Atlantikküste und den Andenkordilleren konzentriert sich das Gros der rund 620.000 Einwohner*innen. Hier spielt der Tourismus eine wesentliche Rolle, abgesehen von der Hafenstadt Comodoro Rivadavia, die wichtig für die Öl- und Gasförderung ist.

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