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Umweltkrise in EcuadorWenn sauberes Trinkwasser nicht selbstverständlich ist

Lange galt Ecuador als Land, das über Wasser im Überfluss verfügt. Vorbei. Das liegt auch an Fehlern der Regierung beim Wassermanagement.

Tena, Ecuador, April 2026: Ein von Abwässern verschmutzter Fluss läuft durch die Stadt Foto: Knut Henkel

Aus Tena

Knut Henkel

Jorge Celi steht im Labor der Amazonas-Universität Ikiam im ecuadorianischen Tena und deutet auf ein paar Wasserproben. „Die haben Studenten am Montag von einer Exkursion mitgebracht. Wir analysieren regelmäßig die Wasserqualität in einem halben Dutzend Flüsse rund um Tena – sie weisen alle Belastungen auf“, erklärt der Dekan des Fachbereichs für Land- und Wasserwissenschaften.

Tena, eine Stadt mit mittlerweile rund 30.000 Menschen, wächst, und die beiden Kläranlagen sind zu klein für den Bedarf, sagt Celi. Er ist froh, dass das Labor der erst 2014 eröffneten Universität gut ausgestattet ist und sämtliche biologischen Belastungen analysieren kann. Eine Kontaminierung mit ganz normalen Haushaltsabwässern ist nicht nur in der quirligen Amazonasstadt Realität, sondern in vielen Städten Ecuadors, wo die Kläranlagen zu klein sind, nicht funktionieren oder gar nicht erst existieren.

Darauf macht Fausto Valle regelmäßig aufmerksam. Er ist Direktor von „Wasser für alle“, einer gut vernetzten Nichtregierungsorganisation, die in Quito 2024 gegründet wurde, seit 2025 eingetragen ist und versucht, Universitäten, Unternehmen und die Politik an einen Tisch zu bringen. Ziel ist es, Defizite abzubauen, Wasserbedarf und Aufbereitung besser zu kalkulieren, erklärt der 48-jährige Ökonom.

„Ecuador hat knapp 18 Millionen Einwohner, aber 2,7 Millionen haben keinen Trinkwasseranschluss, 5,9 Millionen sind nicht an Abwassersystem angeschlossen und rund 75 bis 80 Prozent der Abwässer werden unbehandelt in Flüsse, Seen oder das Meer gepumpt. Das muss sich ändern“, umreißt Valle das gigantische Problem.

Immense Investitionen

Er hat mit seinem Team ausgerechnet, dass Investitionen von rund 7,3 Milliarden US-Dollar nötig wären, um das Land zumindest auf einen tolerablen Standard zu bringen. Dabei ist die Hauptstadt Quito besonders unter Druck, denn hier haben die Gerichte die Verantwortlichen zum Handeln gezwungen. In einem Urteil vom Juli 2024 haben sie der Klage von Umweltaktivisten recht gegeben, die eine Verletzung des Rechtes des Machángara-Flusses durch die systematische Vermüllung dieses Flusses, der durch Quito fließt, angeprangert haben.

Der Machángara ist nicht er der erste Fluss, der kraft der Verfassung zu einem Rechtssubjekt erklärt wurde, sondern nach Vilcabamba und Alambi der mindestens dritte. Doch es laufen weitere Klagen, und für Fausto Valle ist das nur ein Beispiel wie wichtig es ist, die Optionen der progressiven Verfassung des Landes zu nutzen.

„Wir müssen bei den Gesetzen, bei den Verfassungszusätzen von der Theorie in die Praxis kommen. Es muss umgesetzt, implementiert werden und dafür ist der Río Machángara ein gutes Beispiel“, sagt der Ökonom. Er ist mit der Stadtverwaltung von Quito in Kontakt und es begrüßt, dass mindestens drei Kläranlagen gebaut werden sollen. „Wir haben einen immensen Nachholbedarf, in den Städten, aber noch mehr in den ländlichen Regionen“, schildert Valle die Situation.

Dort fließt das Gros aller Abwässer in die Flüsse und später oft in die Meere. Doch in den vergangenen Jahren ist ein neues Phänomen aufgetreten, welches landesweit die Wasserversorgung infrage stellt: „Der illegale Bergbau“, erklärt der Nachhaltigkeitstheoretiker Alberto Acosta.

„Hier tickt die Bombe der Kontaminierung“

„Es gibt immer mehr Regionen, wo Menschen mit schwerem Gerät nach Gold suchen, Quecksilber und manchmal auch Zyanide einsetzen.“ Acosta verweist auf gravierende Beispiele in den Provinzen Loja, Azuay und Napo. Der Goldpreis rangiert um die 4.700 US-Dollar pro Unze. In der Region von Tena, wo illegales Goldschürfen zur Plage geworden ist, werden pro Gramm pauschal 120 US-Dollar verlangt.

Vor der korrumpierenden Kraft des Goldes warnt auch Fausto Valle. Er berichtet von ersten Studien, die die Kontaminierung von Flüssen mit Quecksilber und anderen toxischen Schwermetallen nachweisen. Valle arbeitet eng mit dem Labor der PUCE, der Päpstlichen katholischen Universität von Quito, zusammen. Aber auch die regionale Amazonas-Universität Ikiam hat eine Studie vorgelegt und Nachweise für die rückläufige Wasserqualität erbracht und ist damit nicht allein. Darauf ist die Politik in Ecuador bisher kaum vorbereitet, kritisiert Valle.

Gemeinsam mit der Abgeordneten Camila León verfolgt Valle ein Ziel: ein fundiertes Gesetz zum Schutz des Wassers zu erarbeiten und durch das Parlament zu bringen. Das begrüßen auch Umweltaktivisten wie Ramiro Avila, der mit einer Gruppe von Mit­strei­te­r:in­nen die Umsetzung der Arbeiten zur De-Kontaminierung des Río Machángara beobachtet. Als Umweltanwalt ist er eine bekannte Persönlichkeit in Ecuador, will aber auch auf die Dekontaminierungsprozesse im und um den Río Machángara international aufmerksam machen. Es geht ihm auch darum, ein Beispiel zu schaffen, für Länder aus der Region und darüber hinaus.

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