US-Gouverneur Andrew Cuomo: Vom Helden zum Belästiger

Er galt in den USA als Star der Coronapolitik. Doch jetzt werfen mehrere Mitarbeiterinnen New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo sexuelle Belästigung vor.

Porträt Andrew Cuomo

Zwei ehemalige Mitarbeiterinnen beschuldigen ihn sexueller Übergriffe: Andrew Cuomo Foto: Hans Pennink/ap

BERLIN taz | Noch vor ein paar Monaten war Andrew Cuo­mo, 63, so was wie ein aufsteigender Stern in der Demokratischen Partei. Zu Beginn der Coronapandemie, als New York einer der heftigsten Hotspots weltweit war, zeigte sich der New Yorker Gouverneur entschlossen und besonnen. Ganz das Gegenteil von Donald Trump. Schon wurde mit einer Präsidentschaftskandidatur 2024 spekuliert – ein Schritt, den Cuomo selbst allerdings immer ausgeschlossen hatte.

Seitdem ist Cuomo tief gefallen. Kaum jemand würde derzeit darauf wetten, dass der seit 2011 – und damit länger als jeder andere derzeitige Landeschef – regierende Gouverneur seine laufende Amtszeit zu Ende bringt.

Zunächst kamen Enthüllungen darüber, dass Cuomos Behörde Covid-19-Todeszahlen, insbesondere in Altenheimen, geschönt hatte. Kein Ruhmesblatt für den Trump-­Widersacher in der Pandemiebekämpfung. Aber was Cuomos Karriere jetzt an ihr Ende zu bringen scheint, ist etwas anderes: Zwei ehemalige Mitarbeiterinnen beschuldigen ihn sexueller Übergriffe.

Zunächst war da Lindsay Boylan, 36, die angab, Cuomo habe sie über Jahre immer wieder unerwünscht berührt. 2018 habe er sie auf den Mund zu küssen versucht und bedrängt. Ihre Mutter, mit der sie darüber gesprochen hatte, habe ihr irgendwann eine Textnachricht geschrieben: „Er ist ein sexistisches Schwein und du solltest vermeiden, mit ihm allein zu sein.“ Boylan selbst schrieb auf der Onlineplattform Medium: „Gouverneur Andrew Cuomo hat innerhalb seiner Verwaltung eine Kultur geschaffen, in der sexuelle Belästigung und Drangsalieren so allgegenwärtig sind, dass es nicht nur geduldet, sondern erwartet wird.“ Kri­ti­ke­r*in­nen würden eingeschüchtert. Cuomo bestritt die Vorwürfe kategorisch.

Cuomo bestreitet Vorwürfe nicht

Jetzt kam eine zweite Mitarbeiterin hinzu, die 25-jährige Charlotte Bennet, die im vergangenen Jahr in seinem Stab arbeitete. Cuomo habe alle möglichen Bemerkungen gemacht und sie darüber befragt, wie sie Sex mit älteren Männern finde – er selbst fände das für sich mit allen Frauen über 22 in Ordnung. „Ich verstand, dass der Gouverneur mit mir schlafen wollte, und fühlte mich furchtbar unwohl und hatte Angst“, sagte Bennet jetzt der New York Times.

Diese Vorwürfe bestreitet Cuomo nicht. „Ich räume ein, dass einige der Dinge, die ich gesagt habe, als unerwünschte Flirts fehlinterpretiert worden sind. Soweit das jemand so empfunden hat, tut mir das aufrichtig leid“, schreibt der Gouverneur.

Aber War-nicht-so-gemeint-Kommentare reichen nicht mehr. Jetzt wird wohl die Generalstaatsanwältin von New York die Untersuchung übernehmen, wie es etwa die linke New Yorker Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez gefordert hatte. Derzeit scheint es für Cuomo nur zwei Möglichkeiten zu geben: Sofortiger Rücktritt wäre die sauberste. Oder er kündigt an, im kommenden Jahr für keine vierte Amtszeit zu kandidieren und hofft, dass der Sturm damit vorüberzieht. Es sieht allerdings nicht so aus, als könnte er damit Erfolg haben.

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