US-Filmproduzent Weinstein vor Gericht

Ein Vorwurf fällt, die Klage geht weiter

Harvey Weinstein steht wegen sexuellem Missbrauch vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft lässt einen Anklagepunkt fallen. Der Grund: Eine widersprüchliche Zeugenausage.

Der Filmproduzent Harvey Weinstein vor dem Obersten Gericht.

Die Klage gegen Weinstein wegen sexueller Übergriffe hat weiterhin Bestand Foto: ap

NEW YORK ap/dpa | Die Staatsanwaltschaft in New York hat einen Teil des Strafverfahrens gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein wegen sexueller Vergehen fallengelassen. Ein Richter stimmte am Donnerstag zu, einen Anklagepunkt im Fall im Zusammenhang mit Lucia Evans nicht mehr zu berücksichtigen.

Die ehemalige Schauspielerin Evans hatte dem Magazin „The New Yorker“ gesagt, dass Weinstein sie 2004 bei einem Arbeitstreffen in seinem Büro zum Oralsex gezwungen habe. Die Klage auf Grundlage der Vorwürfe von zwei weiteren Frauen hat aber weiterhin bestand.

Evans' Anwältin Carrie Goldberg sagte vor dem Gerichtsgebäude verärgert, dass ihre Mandantin vom Bezirksstaatsanwalt Cyrus R. Vance jr. im Stich gelassen worden sei. „Die Entscheidung, die Vorwürfe meiner Mandantin des sexuellen Übergriffs wegzuwerfen, sagt nichts über Weinsteins Schuld oder Unschuld aus“, sagte Goldberg.

Die Staatsanwaltschaft teilte in einem Brief mit, dass sie vor Wochen erfahren habe, dass eine Frau, die am Abend des Treffens von Evans mit Weinstein in einem Restaurant bei Evans gewesen sei, einem Polizisten widersprüchlich geschildert habe, was passiert sei. Der Ermittler habe sie aber dazu gedrängt, zu schweigen. Er habe gesagt, „weniger ist mehr“.

Weinsteins nächste Anhörung ist im Dezember

Die Polizei teilte am Donnerstag mit, dass der Polizist, mit dem die Zeugin gesprochen hatte, von der Behörde untersucht werde. Er spiele keine aktive Rolle mehr bei den Ermittlungen zu Weinstein. Der Ermittler hatte in den Medien offen gesagt, dass er wolle, dass Weinstein angeklagt wird.

Weinstein wird weiter vor Gericht vorgeworfen, 2013 eine Frau in seinem Hotelzimmer vergewaltigt zu haben und eine andere Frau 2006 einem Sexualakt unter Zwang unterworfen zu haben. Weinstein bestreitet alle Vorwürfe des nicht einvernehmlichen Sex.

Benjamin Brafman, Anwalt des Filmproduzenten, sagte, er glaube, dass Evans die Geschworenen und das Magazin „The New Yorker“ über ihr Treffen mit Weinstein belogen habe. „Die Integrität dieses Verfahrens ist gefährdet worden“, sagte er. Evans sollte wegen Meineid strafrechtlich verfolgt werden, forderte der Anwalt.

Die nächste Anhörung ist für den 20. Dezember angesetzt. Einen Termin für einen möglichen Prozessbeginn gibt es noch nicht. Weinstein hat auf nicht schuldig plädiert. Bei einer Verurteilung droht ihm im schlimmsten Fall eine lebenslange Haftstrafe.

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