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US-Bundesstaat WisconsinLiberale US-Richterin gewinnt Wahl

Im US-Bundesstaat Wisconsin haben die Demokraten einen Triumph davongetragen. Eine liberale Richterin hat den Sitz im Obersten Gerichtshof erhalten.

Die Kandidatin für den Obersten Gerichtshof von Wisconsin, Susan Crawford, gewinnt die Wahl Foto: Vincent Alban/reuters

Madison AP | Die den Demokraten nahestehende liberale Richterin Susan Crawford hat die Wahl um einen Sitz im Obersten Gerichtshof des US-Bundesstaats Wisconsin gewonnen. Damit sicherte sie dem Gericht eine liberale Mehrheit für weitere drei Jahre. Die erste große Wahl in den USA seit Amtsantritt Trumps wurde auch als Stimmungstest mit Blick auf dessen erste Monate im Amt und die Rolle von Tech-Milliardär Elon Musk in der Regierung angesehen. Crawford setzte sich gegen ihren konservativen Kontrahenten Brad Schimel durch.

Sie wurde für eine zehnjährige Amtszeit gewählt und löst die liberale Richterin Ann Walsh Bradley ab, die nach 30 Jahren auf der Richterbank in den Ruhestand geht. Crawford hat in ihrer bisherigen Karriere etwa Gewerkschaften und Abtreibungsrechte gestärkt. Im Wahlkampf wurde sie von der Organisation Planned Parenthood und anderen Fürsprechern von Abtreiberechten unterstützt. In ihren Wahlwerbespots wurde betont, dass Schimel Abtreibungsgegner ist. Crawford kritisierte auch seine Verbindungen zu Trump und Musk und bezeichnete ihn in einer Debatte als „Elon Schimel“.

Die Kampagne Schimels setzte darauf, Crawford Schwächen beim Thema Kriminalität zu bescheinigen und sie als Marionette der Demokraten zu charakterisieren. Im Falle ihrer Wahl werde sie Wahlkreisgrenzen neu ziehen lassen, um den Republikanern zu schaden, hieß es. Am Supreme Court Wisconsin gibt es seit 2023 eine liberale Mehrheit von vier zu drei Richtern. In den 15 Jahren davor war das Gericht von einer konservativen Mehrheit geprägt.

Trump deutete am Montag an, warum seine Regierung der Wahl so große Bedeutung beimisst: Das Gericht kann über Gesetze im Zusammenhang mit Wahlen entscheiden und Streitigkeiten über künftige Wahlergebnisse beilegen. „Wisconsin ist politisch ein wichtiger Staat, und der Oberste Gerichtshof hat viel mit den Wahlen in Wisconsin zu tun“, sagte Trump im Oval Office. „Wisconsin zu gewinnen, ist eine große Sache.“

Teuerste Richterwahl in den USA

Musk war am Sonntag nach Wisconsin gereist, um Schimel zu unterstützen. Er überreichte zwei Wählern Schecks im Wert von einer Million Dollar, die nach Angaben Musks eine Petition gegen „aktivistische Richter“ unterzeichnet hatten.

Die Wahl war das teuerste Gerichtsrennen in den USA, mit Ausgaben von fast 99 Millionen US-Dollar, wie das Brennan Center for Justice ermittelte. Die hohen Ausgaben und die große Aufmerksamkeit, die dem Rennen zuteilwurde, führten zu einer hohen Wahlbeteiligung, die um mehr als 50 Prozent höher lag als beim Rennen um den Obersten Gerichtshof vor zwei Jahren.

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10 Kommentare

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  • Richter sind nie ganz neutrale Eunuchen m/w/d. Aber das Ideal sollte sein, dass sie in ihrer Richter-Rolle nicht politische Wahl-Repräsentanten sind, sondern Recht sprechen.



    Leider ist die US-Verfassung so fehlerhaft inzwischen, dass Rechtsprechung Politik teils ersetzt.



    Bei aller Freude über einen Wahlsieg der progressiven Seite kann das Recht doch nicht hiervon abhängig sein. Der Macht-Orientierung gerade auf der rechten Seite die progressiven Rechte gegenüberstellen!

  • Unfassbare Nummer, das mit Musk, diese "Wahllotterie "mit Millionengewinnen ist eine Perversion, die dringend verboten und unter Strafe gestellt gehört. Das feiste Feixen des reichsten Wirrkopfes der Welt beim Überreichen der Schecks geht über das Erträgliche weit hinaus.

  • Immerhin ist jetzt Musk ein paar Millionen "ärmer" und vielleicht auch klüger, dass er nicht alles "kaufen" kann.

  • Richter sollen weder konservativ noch liberal sein, sondern sich an Gerechtigkeit, Recht, Gesetz und Fairness orientieren.

    Eine(n) Kandidaten(in) wegen seiner (ihrer) politischen Einstellung in ausgewählten Politikfeldern zu wählen, ist im Bereich der Justiz so was von widersinnig...

    • @Winnetaz:

      Mag sein, aber ist es bei uns denn anders? Nein. Leider entscheidet das Parteibuch und der Zufall, dass bei der Besetzung einer Stelle jene regieren deren Parteibuch ich in der Tasche habe.

  • Keinerlei Angaben dazu, ob es ein deutlicher oder knapper Sieg war?

  • Gratulation an die liberale Richterin.



    Trotzdem: ich finde die Wahl von Richter*innen fragwürdig. Sind die doch, egal ob Demokrat*innen oder Republikaner*innen weniger oder mehr korrumpiert.



    Bezirksrichter werden vom Präsidenten eingesetzt, was dazu führte, dass ein des Hochverrats Beschuldigter mittels seines fragwürdigen Rechtsbeistands immer wieder seinen Kopf aus der Schlinge ziehen konnte. Und wieder Präsident wurde.

    • @LeKikerikrit:

      In den USA werden auch die Sheriffs gewählt, was ich auch schon immer seltsam fand.

      • @Ciro:

        Nu. Der Sheriff ist in vielen Bundesstaaten auch für eine ganze Reihe von Verwaltungsaufgaben außerhalb der Polizeiaufgaben zuständig. Unsere Bürgermeister werden doch auch gewählt.

      • @Ciro:

        Direktwahl des lokalen Polizeichefs finde ich nicht unbedingt schlecht... jede der Richter schon eher.