Trumps Umgang mit Whistleblowern

Selbstherrlich andere gefährden

Trump möchte den oder die Enthüller_in persönlich treffen. Das gefährdet nicht nur die Sicherheit dieser Person, sondern auch ihren Auftrag.

Ein mann bläst in eine rote Trillerpfeife

Wird Trump nicht zurückgepfiffen, hat es sich vielleicht bald ausgewhistlelt Foto: dpa

Donald Trump, das wissen wir, schreckt vor nichts zurück. Er kennt keine Skrupel; er hält sich nicht an Regeln und oft auch nicht an Gesetze; er kultiviert Unberechenbarkeit und er ist beratungsresistent. Er betreibt seine Politgeschäfte selbstherrlich und oft gegen den Rat seines eigenen engsten Kreises und die Interessen seiner Alliierten, während er öffentliche „Love Affairs“ mit Gegnern der USA beginnt.

Was Trump dabei hilft, seine Alleingänge binnen Sekunden zu globalen News zu machen, ist eine Institution, auf die jeder US-Präsident Zugriff hat: Das „Bully Pulpit“ – die Kanzel mit dem garantierten Gehör für jedes beliebige Thema, zu jeder beliebigen Zeit, in jeder beliebigen Form.

Manche Präsidenten haben ihr Bully Pulpit genutzt, um Ereignisse historisch einzuordnen, um aufzuklären oder um zu mahnen. Trump hat es um Twitter erweitert und nutzt es, um seine KritikerInnen ­fertigzumachen und seiner Basis zum Fraß vorzuwerfen.

Die Institution des Whistleblowers in Gefahr

Die Art und Weise, in der Trump jetzt von seinem Bully Pulpit aus mit dem Whistleblower – oder der Whistleblowerin, denn bislang kennen wir das Geschlecht nicht – umgeht, lässt um das Leben der mutigen Person fürchten. Dass Trump ihn – oder sie – persönlich treffen will, gehört dabei zur Strategie: den starken Mann markieren, zeigen, dass er der Boss im Weißen Haus ist, der sich am besten im Alleingang verteidigen kann.

Whistleblower leisten einen Dienst an der Gesellschaft. Und fast immer tun sie das unter Einsatz hoher persönlicher Kosten – Marginalisierung, lange Gefängnisstrafen, Zwangsexil. Sie klären über Missbräuche auf, so auch die bislang anonyme Person, die die jüngste Affäre ins Rollen gebracht hat.

Der US-Präsident hingegen gefährdet mit seinen Tiraden, mit Worten wie „krank“, „Wilde“ und „Spion“ nicht nur die konkrete Person, sondern auch die Institution des Whistleblowers an sich. Und er gibt einen Ausblick auf die Schlachten, die Angriffe, die er in den kommenden Monaten von seinem Bully Pulpit aus austragen und aus­teilen will.

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Kommt aus Köln. Ihre früheren journalistischen Stationen waren Mexiko-Stadt, Berlin und Paris. Seit 2010 ist sie taz-Korrespondentin in den USA. Sie lebt in New York.

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