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Très chic?

Vor 17 Jahren wurden die Uniformen der Deutschen Bahn zum letzten Mal auf den neuesten Stand gebracht, also just zu jener Zeit, als sich Deutschland an der Seite von Frankreich weigerte, am Irak-Krieg teilzunehmen. Johannes Rau war Bundespräsident, und da ist man schon fast beim Thema: Die neue Dienstbekleidung der rollenden Cabin Crews wirkt ein bisschen altväterlich. Oder sagen wir: So gnadenlos zeitlos, dass man sie ohne Aufsehen zu erregen auch schon zur ursprünglichen Einweihungsfeier des Berliner Flughafens im Jahr 2007 hätte tragen können.

Entworfen wurden die neuen Ensembles von Guido Maria Kretschmer, dem zwar notorisch das Label „Stardesigner“ angepappt wird, der im richtigen Leben aber eher Möbel für Otto sowie alles für den deutschen Durchschnittsgeschmack entwirft. Ein Marketinggenie, das Dank der Vox-Sendung „Shopping Queen“ zum knopfäugigsten und beliebtesten Deutschen wurde und eigentlich auch gleich Bundespräsident werden könnte.

Doch jetzt erst mal: Staatsbahn AG. In einem nur zwei Jahre dauernden Prozess hat er den Bediensteten den Farbton „Burgundy“ verpasst, ein Tempo, bei dem das Bundeswehrbeschaffungsamt mindestens fünfmal bei McKinsey klingeln müsste, um mithalten zu können. Muss es aber gar nicht, denn mögen deren Uniformen auch noch so bescheuert aussehen: Werden sie getragen, heißt es „Freie Fahrt“ bei der Bahn.

Kretschmer hat derweil abgerüstet, Zugchefs demonstrieren ihren Rang nun nicht mehr mittels Streifen am Sakko, sondern anhand silberfarbener Krawatten. Das immerhin ein Move in die neue Zeit, verstörend hingegen die Einführung von Jeans für Lok- und Busfahrer. Nietenhosen für die neuen 20er?

Trutschige Trenchcoats, Zwei­reiher, Blousons. Es ist ja nicht für den TGV. Für den ICE reicht très strapazierfähig.

Martin Reichert

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