piwik no script img

Treibhaus Fuß

■ Jeder Dritte hat Fußpilz, mancher jahrelang. Bis die Nägel zerbröseln

In Russland hat es fast jeder, in Deutschland jeder Dritte: Pilz am Fuß. In ganz Europa hat ein Pharmaunternehmen etwa 200.000 Füße untersucht und dabei festgestellt, dass in Spanien 10, in Russland 80 und in Deutschland über 30 Prozent der Menschen Fußpilz haben. Männer haben ihn häufiger als Frauen, Alte häufiger als Junge. Warum, kann Dr. Ingolf Dürr vom Deutschen Grünen Kreuz nur vermuten: „Die Menschen im Süden laufen häufiger barfuß oder in offenen Schuhen.“ Statt feuchter Treibhausluft, in der Pilze gedeihen, leben ihre Füße an frischer Luft. Außerdem: „Dadurch sehen die ihre Füße vielleicht häufiger“, vermutet Dürr.

Die meisten Menschen wissen nämlich nichts von ihrem Fußpilz. Bis die Nägel sich gelb oder bräunlich verfärben und schließlich zerbröseln, vergeht eine Weile. Am Anfang rötet sich zunächst die Haut zwischen den Zehen, sie schuppt und juckt. Weil das aushalt- und ignorierbar ist, können die meisten Pilze unbehelligt tiefer in die Haut eindringen und sich schließlich über die Nägel her machen.

Im Anfangsstadium ist es oft damit getan, den Fuß mit Puder, Tinktur oder Salbe zu behandeln. Sind die Nägel erst befallen, hilft nur noch der Gang zum Hautarzt und möglicherweise eine Tablettenkur, die den Pilz von innen bekämpft.

Die Studie hat herausgefunden, dass viele Menschen jahrelang mit verfärbten Fußnägeln herumlaufen, ohne sich darum zu kümmern. „Vielleicht kommt das bei Frauen auch deshalb seltener vor, weil sie sich die Nägel lackieren, während manche Männer ihre Füße jahrelang nicht ansehen“, vermutet Dürr. So kann er allerdings ungehindert andere anstecken. Teppichboden ist beispielsweise ein Pilz-Paradies. Die Sporen überleben viele Monate.

In Schwimmbädern, Saunen, Sporthallen, Hotelzimmern fängt man sich am leichtesten einen Pilz ein. Wie man sich schützen kann? Auf keinen Fall mit Fußdesinfektionsanlagen. Die weichen die Haut nur auf und machen sie so richtig empfänglich für Pilze. Außerdem versammeln sich gerade hier die Erreger, die von den Füßen bereits Infizierter abgespült wurden.

Eigentlich sind Füße gegen Pilze geschützt. Aber schon durch kleinste Verletzungen können die Erreger eindringen. Da reicht beispielsweise die Druckstelle durch zu enge Schuhe. Diabetiker sind besonders gefährdet, denn die Gefäße an ihren Füßen sind häufig geschädigt und weniger wehrhaft.

Vorbeugend wirken Badelatschen und atmungsaktive Schuhe und Socken, also aus Leder, Baumwolle oder Wolle. Am wichtigsten aber sind trockene Füße, besonders zwischen den Zehen.

Sandra Wilsdorf

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 180 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen