Thailands Ex-Premier: Thaksin Shinawatra vorzeitig aus Gefängnis entlassen
Der frühere thailändische Regierungschef Thaksin Shinawatra wurde vorzeitig aus der Haft entlassen. Auf Bewährung muss er nun eine Fußfessel tragen.
afp | Der frühere thailändische Regierungschef Thaksin Shinawatra ist vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Thaksin schloss nach seiner Entlassung aus einem Gefängnis in Bangkok in der Nacht zum Montag Familienangehörige in die Arme. Vor dem Gefängnis hatten sich zudem mehrere hundert Anhänger versammelt. Einige von ihnen riefen: „Wir lieben Thaksin.“
Der 76-jährige Milliardär hatte im September eine einjährige Haftstrafe angetreten. Der Oberste Gerichtshof hatte zuvor entschieden, dass er eine Haftstrafe im Jahr 2023 unrechtmäßig in einem Krankenhaus verbüßt hatte. Während seiner viermonatigen Bewährung muss er nun eine elektronische Fußfessel tragen.
„Ich war acht Monate im Winterschlaf“, sagte Thaksin, als er mit einem Auto vor seinem Haus in Bangkok vorgefahren wurde, über seine Zeit im Gefängnis. Nach seinerlassung fühle er sich erleichtert.
Thaksin war nach seiner Rückkehr aus dem Exil im August 2023 wegen Korruption und Machtmissbrauch zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Er saß die Strafe aber nicht im Gefängnis, sondern in einem privaten Krankenhauszimmer ab. Später wurde seine Haftstrafe auf ein Jahr herabgesetzt.
Im Februar 2024 wurde er schließlich vorzeitig aus der Haft entlassen. Weil seine Partei etwa zur gleichen Zeit an die Macht zurückkehrte, war spekuliert worden, dass Thaksin von einer Absprache profitiert haben könnte.
Thaksin hatte Thailand von 2001 bis zu einem Staatsstreich des Militärs im Jahr 2006 regiert. Kritiker hatten ihm vorgeworfen, auch aus seinem Exil, das er überwiegend in Dubai verbrachte, noch die Strippen in Thailand zu ziehen. Seine Schwester Yingluck Shinawatra wurde 2011 Regierungschefin, bevor sie 2014 ebenfalls gestürzt wurde.
Thaksins Partei Pheu Thai ist vor allem bei der ärmeren Landbevölkerung beliebt, die in ihr eine Gegenbewegung zur Elite sieht, welche wiederum dem Königshaus und der Armee nahesteht. Bei der Parlamentswahl im Februar verzeichnete die Partei allerdings ihr bisher schwächstes Ergebnis.
Zuletzt stand Thaksins Tochter Paetongtarn Shinawatra an der Spitze der thailändischen Regierung. Sie wurde Ende August vom Verfassungsgericht ihres Amtes enthoben. Zu ihrem Nachfolger wurde der rechtsgerichtete Baumagnat Anutin Charnvirakul gewählt.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert