Teilzeit-Eltern massiv benachteiligt: Elterngeld in der Kritik
Laut Wohlfahrtsverbänden sind geringverdienende sowie in Teilzeit arbeitende Eltern die "Verlierer" beim Elterngeld.
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BERLIN taz Wohlfahrtsverbände sehen "gravierende Mängel" beim Elterngeld. Nach der Umstellung vom Erziehungs- auf das Elterngeld habe sich die finanzielle Situation vieler Familien verschlechtert, hieß es am Dienstag in einer öffentlichen Anhörung im Familienausschusses des Bundestages.
"Verlierer" seien geringverdienende Eltern, betonte der Paritätische Gesamtverband. Nach aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes erhält knapp die Hälfte der Mütter und Väter lediglich den Mindestbetrag von 300 Euro im Monat als Elterngeld. Und damit bis zu 3.600 Euro weniger als vor 2007, wie der Verband berechnete. Denn bei der Umstellung vom Erziehungsgeld auf das Elterngeld wurde die Bezugsdauer von 24 auf maximal 14 Monate verringert. Faktisch würden nun Leistungen in die mittleren und höheren Einkommen umgeschichtet.
Auch der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) kritisierte die derzeitige Elterngeldregelung. Familien, in denen sowohl Vater als auch Mutter wegen der Kinder in Teilzeit arbeiten, erhalten schon nach 7 Monaten kein Geld mehr - während die normale Bezugsdauer bis zu 14 Monaten reichen kann. Teilzeiteltern würden "massiv benachteiligt", eine Nachbesserung sei "unbedingt" notwendig.
Allerdings ist das in den aktuellen Plänen der Bundesregierung für Nachbesserungen beim Elterngeld noch nicht berücksichtigt. Ein entsprechender Gesetzesentwurf will vor allem Großeltern und Väter stärker einbeziehen. Künftig sollen Großeltern, die sich um ihre Enkel kümmern, weil die Eltern noch minderjährig oder in Ausbildung sind, Elternzeit beantragen dürfen. Der Bezug von Elterngeld ist hingegen ausgeschlossen. Die Wohlfahrtsverbände kritisieren, dass sich viele Großeltern durch die Betreuung der Enkel womöglich einem finanziellen Risiko aussetzen.
Vorgesehen ist in dem Gesetzesentwurf auch, dass die Vätermonate auf eine Mindestbezugsdauer von 2 Monaten festgelegt werden sollen. Dies sei für eine stärkere Einbeziehung der Väter in die Erziehung grundsätzlich zu begrüßen, urteilt die AWO. Die Verbände mahnen aber an, dass für weitere Nachbesserungen per Gesetz erst der anstehende Evaluationsbericht der Regierung über das Elterngeld abgewartet werden soll.
NICOLE JANZ
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