piwik no script img

Taktische Rochade in Peru

Perus Präsident Fujimori wechselt die Chefs der Waffengattungen der Streitkräfte aus, um zu zeigen, dass er keine Marionette des Militärs ist. Die Opposition traut ihm nicht

BUENOS AIRES taz ■ Der peruanische Präsident Alberto Fujimori hat am Samstag die Leitungsebene der Streitkräfte ausgewechselt. Er ersetzte den Heereschef General José Villanueva Ruesta sowie die Chefs von Marine und Luftwaffe. Alle drei waren Vertraute des ehemaligen Geheimdienstchefs Vladimiro Montesinos, der sie auf ihre Posten gesetzt hat. Den Vorsitz der Streitkräfte übernimmt der bisherige Innenminister General Walter Chacón Málaga, der zwar seine Ausbildung in der Militärschule gemacht hat, aus der Montesinos seine Gefolgsleute rekrutiert, aber selbst kein Vertrauter Montesinos sein soll. Ebenso gelten die neuen Generäle bei Luftwaffe und Marine als unabhängig.

Mit dieser Aktion will Fujimori wohl zeigen, dass er keine Marionette des Militärs ist, wie so oft in den vergangenen Tagen behauptet wurde. Auffallend ist auch, dass er zum ersten Mal in zehn Jahren keinen Militär zum Innenminister ernannt hat. Der neue Innenminister General Fernando Dianderas Ottone war bislang Chef der Polizei.

Alejandro Toledo, selbst ernannter Oppositionsführer, glaubt nicht an die Ernsthaftigkeit von Fujimoris Manöver. „Es gibt keine grundlegenden Veränderungen, Montesinos bestimmt noch immer die Streitkräfte“, sagte er auf einer Kundgebung in Chimbote, einer Hafenstadt nördlich von Lima.

Es ist davon auszugehen, dass der Personalwechsel auf Druck der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und des US-State-Departments geschehen ist. Vor einigen Tagen ließen die USA Fujimori wissen, dass „jede Art der Veränderung innerhalb der peruanischen Streitkräfte der Demokratisierung gut tut“. Der Generalsekretär der OAS, Cesar Gaviria, reiste vergangene Woche nach Lima, um Fujimori zur Demokratisierung zu drängen. USA und OAS sehen Montesinos dabei als Hindernis.

Bei der Jagd nach dem ehemaligen Geheimdienstberater ist Fujimori noch nicht weitergekommen. Montesinos soll nach Informationen der Zeitung La República im permanenten Kontakt mit hochrangigen Generälen stehen. Auf der zweiten Ebene der Streitkräfte führen noch immer Montesinos-Vertraute das Kommando. Sein Schwager leitet die mächtige Division der Zweiten Militärregion bei Lima, mit ihm soll Montesinos sich noch immer regelmäßig austauschen. INGO MALCHER

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen