: Suding soll mal wieder die FDP retten
Wolfgang Kubicki will Chef der kriselnden FDP werden. Und er will Katja Suding, die frühere „sexy Vorzeigefrau“ der Partei aus Hamburg, in die Politik zurückholen, um die Liberalen retten
Von Gernot Knödler
Katja Suding soll der FDP zu einem erneuten Wiederauferstehungswunder verhelfen – das hofft zumindest der stellvertretende Parteivorsitzende der Liberalen, Wolfgang Kubicki. Dieser hat angekündigt, beim FDP-Parteitag im Mai für den Bundesvorsitz kandidieren zu wollen und in diesem Zusammenhang eine Reihe von Frauen genannt, die er im Erfolgsfall gern neben sich im Präsidium sitzen sähe – unter ihnen: Katja Suding.
Der 74-jährige Kubicki setzt darauf, mit vielen Frauen im Vorstand der FDP ein neues Gesicht zu geben, um die Wähler wieder für die arg gebeutelte Partei zu gewinnen. Wie Kubicki der Bild-Zeitung sagte, soll nach seiner Vorstellung etwa die frühere Bundestagsabgeordnete Linda Teuteberg eine Rolle spielen. Zudem hoffe er, dass Maria Westphal aus Köln sowie die Tochter von Ex-CSU-Chef Horst Seehofer, Susanne Seehofer, „das Bild der Freien Demokraten in den nächsten Jahren prägen“.
Dann erledige sich das Gerede von den „alten, weißen Männern“, sagte Kubicki in dem Interview. Auch Katja Suding, die 2021 aus der aktiven Bundespolitik ausgeschieden ist, wolle er zurückgewinnen.
Suding hat 2011 schon einmal eine zeitweilige Renaissance der FDP eingeläutet, indem es ihr gelang, die Liberalen nach zwei gescheiterten Anläufen wieder in die Hamburgische Bürgerschaft zu führen. Das Rezept war so einfach wie wirksam: Es setzte komplett auf Suding, die angetan mit einem gelben Regenmantel und dem Slogan „KatJa“ von den Wahlplakaten lächelte – die personifizierte Frische.
Wir wissen nicht, wie viel die PR-Fachfrau Suding zu dieser Idee beigetragen hat. Wie sie selbst erzählt, war ihr nach ein paar Jahren in der Kommunalpolitik von mehreren Parteifreunden vorgeschlagen worden, als Spitzenkandidatin anzutreten, nachdem eine schwarz-grüne Koalition in Hamburg vorzeitig geplatzt war. „Alle dachten, das sei eh nicht zu schaffen“, sagte sie der taz. „Das hat mich so motiviert.“
Die FDP war damals im Bund auf 4 Prozent abgesackt – da waren Sudings Wahlerfolge von 6,6 und 7,4 Prozent in den Bürgerschaftswahlen 2011 und 2015 Balsam für die Parteiseele – und der Booster für eine Parteikarriere, die sie binnen weniger Jahre in den Bundesvorstand und den Bundestag führte.
Nach der Bundestagswahl 2017 verhandelte sie als Teil der FDP-Delegation über eine Koalition mit der CDU und den Grünen. Hätte der damalige FDP-Chef Christian Lindner die Verhandlungen nicht scheitern lassen, wäre womöglich ein Ministeramt für sie herausgesprungen. Stattessen machte sie vier Jahre als stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bundestag Politik.
Allerdings scheinen die Jahre in der Spitzenpolitik sehr an ihr gezehrt zu haben. „Ich bin an einem Tiefpunkt meines Lebens angekommen und muss mir eingestehen, dass das nicht einfach nur eine schlechte Phase ist“, schreibt sie in ihrem Buch „Reißleine“, in dem sie auf ihre politische Karriere zurückblickt. Dieser Tiefpunkt datiert vom Mai 2020.
Sie schreibt weiter: „Es funktioniert nicht mehr, den Widerspruch auszuhalten zwischen dem, was ich als vermeintliche Ziele verfolge, und dem, was ich im Grunde meines Wesens bin.“ Sie leidet unter ihrem Medienimage als „sexy Vorzeigefrau“ der FDP. Die Leitplanken ihres Lebens fehlen ihr: der Job, das Verhältnis zu den Kindern, eine Beziehung. Ihr Körper rebelliert. Im September 2020 verkündet sie ihren Rückzug aus der Politik.
Katja Suding in ihrem Buch „Reissleine“
Nach einer Auszeit arbeitete sie bei einem skandinavischen Public-Affairs-Beratungsunternehmen und als Co-Autorin der autobiografischen Erzählung „Ich schwimme nicht mehr da, wo die Krokodile sind“. Heute arbeite sie selbstständig als „Executive Coach & strategische Sparringspartnerin“.
Sie habe „tiefste menschliche Abgründe, größte Enttäuschung“, aber auch „grandiose Erfolgserlebnisse, tiefe Freundschaft und ganz große Menschlichkeit“ in ihrer Zeit als FDP-Politikerin erlebt, sagte Suding in ihrer Abschiedsrede im Bundestag.
Kubicki hofft, Suding „endgültig überzeugen“ zu können von einer Rückkehr in die Politik. Mal sehen, ob ihm das gelingt.
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