Suche der SPD nach einem Spitzenduo

Gute Leute, ja, aber machtwillig?

Die möglichen Kandidat*innen für die SPD-Spitze sind interessant und irgendwie nett. Aber das reicht nicht, um die Partei in den Griff zu bekommen.

Franziska Giffey strahlt

Keiner in der SPD verströmt Machthunger, Giffey will noch nicht mal an die Parteispitze Foto: reuters

Ein bisschen erinnert die Kan­di­da­t*in­nensuche der SPD an die aktuelle Saison in der Fußballbundesliga. Bis 31. August können noch Spieler zu den jeweiligen Kadern hinzugekauft werden, dann ist Schluss. Und jeden Tag vernimmt man Meldungen im Stil von: „Heuern die Bayern den verletzten Leroy Sané noch an?“ Oder: „Reicht das Spielermaterial von Borussia Dortmund wirklich für meisterliche Ansprüche?“

Franziska Giffey, so stellt sich nun heraus, wird nicht SPD-Chefin (mit welchem Mann auch immer) werden wollen, vermutlich ist ihr der Ausgang des Verfahrens um ihre Dissertation doch zu heikel, als dass sie jetzt Ansprüche auf den Thron anmelden möchte – verlöre sie ihren Doktorinnentitel wegen Plagiererei, schadete das ihrer Partei.

Wie dem auch sei: Gesine Schwan wäre natürlich geeignet für den SPD-Chef*innenposten, Ralf Stegner, der wegen seiner nur ahnbar erkennbaren Mimik der Gutgelauntheit unterschätzte Parteilinke, nicht minder; Schlechtes kann auch nicht über Nina Scheer oder Karl Lauterbach gesagt werden.

Nette Leute ohne Machthunger

Honorig, sie alle. Aber hätten sie Autorität über eine Partei, deren Spitzenleute im Kabinett Merkels sitzen und sich im Zweifelsfall von einer Parteispitze gar nichts sagen lassen würden? Eben. In der politischen Sphäre zählt Macht von Personen, gebettet auf Möglichkeiten, die das Publikum in ihnen sieht. Und es zählt das Geld: Ein Minister wie Olaf Scholz kann die Parteispitze ernst nehmen. Muss er nicht.

Was alle bislang Kandidierenden eint, ist: Sie verströmen atmosphärisch keinen Machthunger. Eine wie Angela Merkel, die per FAZ-Artikel Helmut Kohl, schon nicht mehr Kanzler, aber der Grande in seiner Partei schlechthin, kalt niedergrätscht, sind sie alle nicht. Das ist das Problem der SPD, das überhaupt ist der Kern der Misere dieser SPD-Mobilisierung für die Parteispitze: Alle wirken sie interessant, irgendwie, nett ja auch, aber von ihnen geht keine Lust auf Kampf, kein Hunger nach Höchstem (das Kanzleramt, was sonst) aus.

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Postbote, Möbelverkäufer, Versicherungskartensortierer, Verlagskaufmann in spe, Zeitungsausträger, Autor und Säzzer verschiedener linker Medien, etwa "Arbeiterkampf" und "Moderne Zeiten", Volo bei der taz in Hamburg - seit 1996 in Berlin bei der taz, zunächst in der Meinungsredaktion, dann im Inlandsressort, schließlich Entwicklung und Aufbau des Wochenendmagazin taz mag von 1997 bis 2009. Seither Kurator des taz lab, des taz-Kongresses in Berlin, sonst mit Hingabe Autor und Interview besonders für die taz am Wochenende. Interesse: Vergangenheitspolitik seit 1945, Popularkulturen aller Arten, besonders der Eurovision Song Contest, politische Analyse zu LGBTI*-Fragen sowie zu Fragen der Mittelschichtskritik. Er war HSV- und ist jetzt RB Leipzig-Fan. Und er ist verheiratet seit 2011 mit dem Historiker Rainer Nicolaysen aus Hamburg.

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