"Stuttgart 21"-Gegner über Grubes Offerte: "Ohne Baustopp kein Gespräch"

Was Matthias von Hermann, "Stuttgart 21"-Gegner, vom Dialogangebot der Bahn hält. Und warum er weiter protestiert, obwohl der Abriss des alten Bahnhofs schon begonnen hat.

Das Bahnprojekt wird derzeit auch mit Pferdestärke durchgesetzt. Bild: dpa

taz: Herr von Herrmann, Bahnchef Rüdiger Grube hat nun auf die anhaltenden Proteste reagiert und zu einem Gespräch eingeladen. Ein erster Erfolg der Protestbewegung?

Matthias von Herrmann: Das ist nicht der erste, aber ein wesentlicher Erfolg. Der erste Erfolg war, als die Bahn gestiegene Kosten für die Neubaustrecke nach Ulm zugeben musste. Der große Erfolg jetzt besteht darin, dass die Befürworter erkannt haben, dass sie das Projekt nicht einfach von oben durchdrücken können.

Grube sagt, das Gespräch dürfe an keine Vorbedingungen geknüpft werden, aber es werde währenddessen keinen Baustopp geben. Ist das ein faires Angebot?

Matthias von Hermann, 37, ist Politologe und Sprecher der "Initiative Parkschützer", die zivilen Ungehorsam gegen "Stuttgart 21" leistet.

Nein, so nicht. Es muss einen Baustopp geben, sonst wäre es kein ergebnisoffenes Gespräch. Wenn unter sich bewegenden Baggerschaufeln verhandelt werden soll, brauchen wir gar nicht erst verhandeln. Ein Pro-forma-Gespräch, nur damit wir mal miteinander geredet haben, wäre wenig hilfreich. Das würde auch den Widerstandswillen nicht brechen, sondern eher anheizen. Die Projektbetreiber sollten sich gut überlegen, aus dem Gespräch keine Hinhaltetaktik zu machen.

Würden Sie denn ergebnisoffen in den Dialog gehen? Könnte Grube Sie von den Argumenten für "Stuttgart 21" überzeugen?

Ich wüsste nicht, welches Argument er noch bringen könnte, das mich überzeugen könnte. Es wurden bereits alle Argumente genannt, von den Betreibern wurden Tatsachen falsch dargestellt. Das sind schon sehr, sehr harte Fronten, um die es hier geht.

Was wäre überhaupt von solch einem Gespräch zu erwarten?

Die Art und Weise, wie man "Stuttgart 21" beendet. Sollte sich herausstellen, dass die Betreiber ungemindert am Projekt festhalten, werden auch die Bürger und das Aktionsbündnis am Protest festhalten.

Wie soll dieser weitergehen? Sind die 50.000 Demonstranten, die die Veranstalter am Wochenende gezählt haben, noch zu überbieten?

Ich glaube, dass der Widerstand auf der Straße eher noch zunehmen wird, weil die Leute nach dem Gesprächsangebot nun sehen, dass der Widerstand etwas bringt.

Aber die Bagger sind dabei, den Nordflügel des Bahnhofs abzureißen. Wann geben Sie auf?

Noch stehen zwei Drittel des Nordflügels und der ganze Südflügel, der Schlossgarten ist noch nicht abgeholzt. Daran können Sie sehen, welchen Widerstand die Betreiber noch vor sich haben. Zu spät wäre es erst, wenn die Tunnelbohrer zum Einsatz kämen und es zu teuer wäre, das Projekt zu stoppen. Aber das wäre frühestens in zwei Jahren.

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