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Studie zu schwindendem WeidelandWeltweite Ernährung in Gefahr

Eine Studie sagt den massiven Verlust von Weideland weltweit voraus. Davon betroffen sind alle Kontinente, besonders aber Afrika.

Auf grüneren Wiesen weiden als hier wird immer schwerer Foto: Mischa Keijser/imago

Sie sind eine Säule der globalen Ernährungssicherheit – und dramatisch durch den Klimawandel bedroht: Die Hälfte der weltweiten Weideflächen könnten verschwinden, so eine Studie aus dem Fachjournal Proceeding of the National Academy of Science of the United States of America (PNAS). Von dem Grasland hinge das Auskommen und die Ernährung Hunderter Millionen von Menschen ab. Aber Weideflächen reagierten empfindlich auf klimatische Veränderungen, so die StudienautorInnen.

Die AutorInnen haben für ihre Studie, an der das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) federführend beteiligt war, untersucht, wie klimatische Veränderungen Weideflächen beeinflussen. Dafür haben sie einen sogenannten sicheren Klimaraum definiert, unter dem geeignetes Grasland fortbestehen kann. Sie maßen die Temperatur, Niederschlagsmengen, Luftfeuchtigkeit und Windstärke.

Das Ergebnis: Die menschengemachte Erderwärmung verändert die Bedingungen so drastisch, dass geeignete Graslandschaften bis zum Jahr 2100 im kontinentalen Ausmaß schrumpfen könnten. „Wir können den Rückgang über den ganzen Kontinent für Afrika, Ozeanien, Südamerika und weitere Regionen vorhersagen“, sagte Erstautorin Chaohui Li der taz.

Das Team prognostiziert, dass zwischen einem Drittel und der Hälfte der weltweiten Weideflächen wegen der Klimakrise verloren gehen könnte. Mit dramatischen Auswirkungen: Weit über einhundert Millionen Menschen, die ihre Existenz als HirtInnen sichern, wären betroffen. Das Ausmaß für den Viehbestand sei noch einmal weitaus höher: Zwischen 1,4 und 1,5 Milliarden Tiere, Rinder, Schafe, Ziegen, verlören Weiden, von denen sie sich ernähren.

Ein Pfeiler der globalen Ernährungssicherheit

„Weideflächen und damit zusammenhängende Tierproduktion sind ein strategischer Pfeiler der globalen Ernährungssicherheit und spielen eine zentrale Rolle“, sagt Daniel Müller, der zu Landnutzung am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) forscht. Weideflächen ermöglichten die Nahrungsproduktion an Standorten, die für den Ackerbau ungeeignet seien. Der Forscher sagt, die Studie sei innovativ und sorgfältig erarbeitet. Allerdings seien Vorhersagen, insbesondere bis 2100, mit großen Unsicherheiten behaftet.

Die AutorInnen betonen, dass vor allem Menschen betroffen seien, deren Ernährung schon heute unsicher ist. Der afrikanische Kontinent verliere der Studie zufolge besonders viel Weidefläche. Die Ergebnisse zeigten, wie die Klimakrise bestehende Ungleichheiten verstärke, indem sie die größte Nahrungsmittelproduktion der Welt destabilisiere, an der die Existenz vieler lokaler Gemeinschaften hänge.

Die Eindämmung der Klimakrise ist zentral

„Die Ergebnisse stellen infrage, ob lokale ViehhalterInnen weiterhin in der Lage sein werden, auf herkömmliche Weise auf die Veränderung ihrer Umwelt zu reagieren“, sagt Chaohui Li. Auch lokale Maßnahmen wie klimagerechte Wiederherstellung von Grasland, dürreresistentes Tierfutter und andere Einkommensquellen würden den Verlust kontinentalen Ausmaßes nicht eindämmen können.

Entscheidend wird sein, wie konsequent die Weltgemeinschaft die Klimakrise bekämpfen wird. Im günstigsten Szenario könnte das ergiebige Weideland in Afrika um 16 Prozent schwinden. Sollte die Weltgemeinschaft weiter zunehmend Treibhausgase ausstoßen, könnte der afrikanische Kontinent bis zu 65 Prozent seiner Grasflächen für die Viehhaltung verlieren. Der Studie zufolge herrschten heute schon in vielen Regionen Temperaturen, die die Weidehaltung an ihre klimatischen Grenzen bringe.

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