Stromnetzsabotage in Berlin: „Kinder des Zorns“ bekennt sich zu Brandstiftung in Marzahn
Eine bisher unbekannte Gruppe hat am Montag wohl einen Stromausfall in Marzahn ausgelöst. In einem Schreiben gibt sie sich kapitalismuskritisch.
In der Nacht zu Montag sorgten Unbekannte mit einem Brandsatz an einer Kabelbrücke für einen kurzzeitigen Stromausfall in einem Gewerbepark in Marzahn. Durch die beschädigten Stromleitungen mussten 19 Gewerbebetriebe vorübergehend vom Stromnetz getrennt werden. Ab 9 Uhr morgens konnten sie laut Stromnetz Berlin wieder per Notstromaggregat versorgt werden.
Noch am selben Tag erschien ein Schreiben auf der linken Internetplattform Indymedia. Darin bekennt sich eine Gruppe namens „Kinder des Zorns“ zu der schweren Brandstiftung. Es scheint das erste Bekenntnis der Gruppe zu einer solchen Tat zu sein, zumindest unter diesem Namen. Der mutmaßlich vorsätzlich herbeigeführte Stromausfall galt laut dem Schreiben speziell den Unternehmen Swissbit Germany AG, Finetech und Emerson/Flexim an der Boxberger Straße.
Die Sabotage begründen die „Kinder des Zorns“ damit, dass die drei Unternehmen Dual-Use-Produkte fertigen. Solche Produkte werden sowohl in zivilen Bereichen als auch für militärische Zwecke verwendet. „Wir wollen die Abläufe kapitalistischer Ausbeutung wirksam und unmittelbar unterbrechen und den Profiteur*innen von Krieg und Umweltzerstörung spürbare wirtschaftliche Verluste zufügen“, begründet die Gruppe ihr Vorgehen. Zusätzlich solle mit der Aktion dem Image von Berlin als Investitionsstandort für Technologie und Rüstung nachhaltig geschadet werden.
Nach den massiven Auswirkungen für die Einwohner*innen in Berlins Südwesten durch den Anschlag auf eine Kabelbrücke in Lichterfelde im Januar habe die Gruppe die Entscheidung für die Sabotage der Stromleitungen „nicht leichtfertig getroffen“. Sie habe sich trotzdem für die Brandstiftung entschieden, weil andere Protest- und Aktionsformen gescheitert seien.
Abgestimmt auf „Verteidigungsprogramme“
Die Unternehmen Swissbit, Finetech und Emerson machen kein Geheimnis aus den Anwendungsgebieten ihrer Produkte. Swissbit stellt Speicherlösungen her, die besonderen Umwelteinflüssen trotzen können sollen und darüber hinaus über eine Verschlüsselung verfügen – abgestimmt auf „Verteidigungsprogramme“.
Finetech stellt Maschinen her, mit denen Teile für Halbleiter gefertigt oder repariert werden können sollen. Unter den Kundenanwendungen im Bereich „Verteidigung, Militär und Sicherheit“ listet das Unternehmen unter anderem Nachtsichtgeräte, Infrarotsensoren und Laserscanner. Emerson stellt Druck- und Temperatursensoren her, welche ihre Anwendung unter anderem in gepanzerten Fahrzeugen sowie der „Verteidigungsüberwachung“ finden sollen.
Laut einer Pressemitteilung der Polizei Berlin hat der für politische Strafsachen zuständige Staatsschutz des Landeskriminalamts die Ermittlungen übernommen. Eine Anfrage der taz, ob das Bekennerschreiben für authentisch gehalten wird und wie groß die Auswirkungen des Stromausfalls tatsächlich waren, beantwortete die Polizei bis Redaktionsschluss nicht.
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