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Strömende Scharen

Kultur kann Häuser füllen, das zeigt sich gerade im Museum

Von Beate Scheder

Kann sich noch jemand daran erinnern, wie das war, als 2020 auf einmal alles geschlossen war? Als die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie dazu zwangen, daheim zu bleiben, und an den Besuch einer Theatervorstellung, eines Kinos oder Museums gar nicht zu denken war? Damals wurde befürchtet, Menschen könnten verlernen, dass es Spaß macht, Kultur zu erleben und langfristig wegbleiben. Weil es zu Hause schön gemütlich ist, Filme ja sowieso irgendwann gestreamt werden können und es eh viel zu anstrengend ist, sich irgendwo physisch unter die Leute zu begeben.

Dass dem nicht so ist, beweist dieser Tage unter anderem der kürzlich angelaufene Film „The Odyssee“ von Christopher Nolan. Weltweit hat das Heldenepos an ­seinem Eröffnungswochenende geschätzte 264 Millionen US-Dollar eingespielt, ein durchaus kontrovers diskutiertes und immerhin fast dreistündiges Machwerk, das muss man schon wollen. Viele wollen das offenbar.

So wie sich ebenfalls sehr viele Menschen, längst nicht nur aus Nordrhein-Westfalen und ganz gewiss auch nicht nur solche, für die der Besuch einer Kunstausstellung zum üblichen Zeitvertreib gehört, derzeit im Kölner Museum Ludwig in den Pünktchenmeeren von Yayoi Kusama verlieren und auf ihrer Smartphonekamera wiederfinden wollen. 100.000 Be­su­che­r:in­nen zählte die Ausstellung der japanischen Künstlerin schon nach vier Wochen. Zeitfenster schrumpften in sich zusammen, sodass das Museum zwei Yayoi-Kusama-Nächte Anfang August einberaumte mit Öffnungszeiten bis 2 Uhr morgens. Auch die sind längst ausgebucht und die Schau offiziell erfolgreicher als der Allzeitrekordhalter des Museums, eine Ed­ward-­Hop­per-­Aus­stel­lung die 2004/05 rund 380.000 Menschen besuchten. Annähernd mithalten kann auch die Brancusi-Ausstellung in der Berliner Neuen Nationalgalerie, die wie am Donnerstag gemeldet wurde, bis zum Ende ihrer Laufzeit mehr als 300.000 Be­su­che­r:in­nen angelockt haben wird.

Kultur bewegt eben, große Geschichten, von Menschen erdachte Kunst, bestimmt nicht nur im Mainstream. Woran hiermit vor allem diejenigen erinnert seien, die ihr gerade die Förderung ent­ziehen.

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