Stichwahl um die Präsidentschaft in Peru: Ein knappes Rennen

Die Stichwahl um das Präsidentenamt spaltet Perus Regionen. In den Anden und im Amazonas wählen die Menschen links, in den Städten rechts.

Frau Fujimori (lange schware Haare) und Herr Castillo (Cowboyhut) tragen jjeweils eine Maske und drücken zur Begrüßung Fäuse aneinander.

Keiko Fujimori und Pedro Castillo vor einem Kandidatenduell am 1. Mai in Chota Foto: Francisco Vigo/ap

LIMA taz | Jedes Schulkind in Peru lernt, dass sein Land dreigeteilt ist: Küste, Gebirge und Amazonasgebiet. Die Stichwahl vom 6. Juni hat sichtbar gemacht, dass diese geografische Einteilung auch eine politische Teilung ist. Denn selten vorher war in Peru eine Wahl so polarisiert. Und selten standen sich zwei so gegensätzliche Kandidaten gegenüber: Pedro Castillo, der linke Dorfschullehrer und Gewerkschafter, und Keiko Fujimori, die Tochter eines ehemaligen Präsidenten, der wegen Menschenrechtsvergehen eine langjährige Haftstrafe verbüßt.

„Der eine Kandidat ist ein Kommunist, und die andere korrupt“, benannte der 27-jährige Arbeiter Brian Casaflores in Lima das Dilemma. Er hatte sich entschieden, für keinen zu stimmen. Damit war er in der Minderheit.

In allen Gebirgsdepartements und in fast allen der dünn besiedelten Amazonasgebiete hat Castillo jetzt haushoch gewonnen. Es sind die Gebiete mit einer mehrheitlich indigenen und mestizischen Bevölkerung. Es sind auch die Gebiete, in denen der Reichtum Perus – früher wie heute – abgeschöpft wird in Form von Gold, Kupfer, Zink und Erdgas. In diesen Gebieten steht Castillo für einen Systemwechsel, für einen heiß ersehnten Neuanfang und für den Wunsch nach Aufwertung der ländlichen und indigenen Identität.

Ob der Lehrergewerkschafter, der noch nie ein Wahlamt gewonnen hat und auf dem Ticket einer marxistischen Regionalpartei fährt, der geeignete Mann für diesen Wechsel ist – daran darf man aber zumindest Zweifel haben.

Marxistischer Lehrer versus neoliberaler Diktatorentochter

Der andere Teil Perus, namentlich die Küste mit ihrer Hauptstadt Lima, wo ein Drittel der peruanischen Bevölkerung lebt, dagegen hat mehrheitlich für Keiko Fujimori gestimmt.

Dabei war die Tochter des ehemaligen Präsidenten Alberto Fujimori politisch auf dem absteigenden Ast und sieht sich einem Gerichtsverfahren wegen Geldwäsche gegenüber. Doch die Aussicht, dass mit Castillo ein Marxist Präsident werden könnte, mobilisierte sogar bis dahin als glühende Fujimori-Gegner bekannte Leute wie den peruanischen Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa dazu, Wahlwerbung für Keiko Fujimori zu machen.

Die städtische Mittel- und Oberschicht, das Establishment der Hauptstadt, sieht in Keiko Fujimori die Garantin dafür, dass Peru das in ihren Augen erfolgreiche neoliberale Wirtschaftssystem weiterführt und nicht den Weg Venezuelas beschreitet.

Wer immer das Präsidentenamt am 28. Juli antreten wird: Er oder sie wird ein zutiefst gespaltenes Land regieren müssen. Nach ersten Hochrechnungen führte Castillo hauchdünn mit 0,4 Prozent Vorsprung vor Fujimori. Die laufende Auszählung zeigte dagegen beständig Fujimori als Siegerin an.

Ihr Vorsprung von rund 53 gegen rund 47 Prozent nach Auszählung von knapp der Hälfte der Stimmen aber schrumpfte am Montagmorgen Ortszeit immer weiter: Als etwas über 92,5 Prozent der Stimmen ausgezählt waren, lag ihr Stimmanteil noch bei 50,13 Prozent gegenüber 49,87 Prozent für Castillo, ein Unterschied von knapp über 40.000 Stimmen.

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