Steigende Inflation: EZB und Fed treten auf die Bremse

Inflation, und was jetzt? Die US-Notenbank will ihre Anleihekäufe beenden und wohl die Zinsen anheben. Die EZB agiert langsamer.

Die EZB-Zentrale in Frankfurt am Main im Morgennebel

Die EZB-Zentrale in Frankfurt am Main Foto: Boris Roessler/dpa

Auf die steigende Inflation reagieren jetzt die Notenbanken in Europa und den USA. Sowohl die Europäische Zentralbank in Frankfurt/Main als auch die amerikanische Fed wollen ihre lockere Geldpolitik in den ersten Monaten des kommenden Jahres einschränken. Während die Fed für 2022 auch Zinserhöhungen anpeilt, will die EZB auf diesen Schritt vorläufig allerdings verzichten. So werden wohl die Zinsen für Sparguthaben und die Renditen von Lebensversicherungen hierzulande erst mal bleiben, wo sie jetzt sind – nahe null.

In den vergangenen Jahren investierten die Zentralbanken regelmäßig große Summen in den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen. Durch diese großzügige Versorgung mit zusätzlichem Geld wollten sie die aus ihrer Sicht zu niedrige Inflation auf etwa 2 Prozent anheben. Im Zuge der Coronapandemie sind die Erzeuger- und Verbraucherpreise nun aber erstaunlich schnell weit über 2 Prozent hinaus geklettert. So treten EZB und Fed jetzt auf die Bremse.

EZB-Chefin Christine Lagarde kündigte deshalb am Donnerstagmittag an, das große Programm zum Anleihekauf (Pepp) im kommenden März teilweise auslaufen zu lassen. Anleihekäufe finden dann weiterhin statt, möglicherweise aber in geringerem Umfang. Der große Unterschied zur US-Notenbank Fed besteht allerdings darin, dass die EZB die Zinsen für den Euroraum zunächst nicht erhöhen will.

Denn Lagarde und ihre Kol­le­g:in­nen von den Zentralbanken der Euro-Staaten sind in einer Zwickmühle. Einerseits steigt die Inflation momentan über Gebühr. Im Durchschnitt der Euro-Länder betrug sie im November 4,9, in Deutschland sogar 5,2 Prozent. Hier machen sich unter anderem die stark erhöhten Energiepreise bemerkbar. Jedoch ist die Inflationslage im Euroraum unterschiedlich. In Frankreich beträgt die Teuerung beispielsweise nur 2,8 Prozent. Und die wirtschaftliche Erholung wird durch die Coronapandemie immer noch gebremst. Deshalb will die EZB ihre lockere Geldpolitik nicht zu schnell komplett beenden.

Immer wieder Kritik

An dieser Politik gibt es immer wieder Kritik. Die Zentralbank sollte „nicht zu lange an ihrem derzeit sehr expansiven Kurs festhalten“, erklärte etwa Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, der auch im Rat der EZB sitzt. Dort nahm Weidmann am Donnerstag zum letzten Mal teil. Wohl weil er sich mit seiner geldpolitisch restriktiveren Position nicht durchsetzen konnte, gibt er sein Amt auf. „Die EZB hat den Ernst der Lage offenbar nicht erkannt“, kritisierte Markus Ferber, CSU-Abgeordneter im EU-Parlament. „Wir müssen insgesamt weg von den milliardenschweren Anleihekaufprogrammen.“ Ein bloßes Umschichten der Aufkaufprogramme löse „keines der Probleme“. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, kommentierte: „Alles in allem wird die Geldpolitik 2022 sehr locker bleiben. Es wird weiter zu viel Geld in Umlauf kommen.“

Für die Mittelschicht bedeutet die EZB-Entscheidung, dass sie noch länger auf Zinsen für ihre Sparguthaben und Lebensversicherungen warten muss. Dies führt zu Unmut, weil andererseits die Kosten des täglichen Lebens durch die Inflation steigen und nicht mal ein teilweiser Ausgleich in Sicht ist. Ärmere Haushalte werden durch die Inflation besonders belastet – zumal sie nicht von Sparzinsen profitieren würden, da ihnen zum Sparen oft die Mittel fehlen.

Auch Bank of England reagierte

Wohlhabende und Reiche machen sich über steigende Verbrauchspreise und Sparzinsen am wenigsten Sorgen, weil ihr Kapital in Immobilien und Unternehmen steckt, wo es ohnehin Rendite und Wertzuwachs bringt. Die US-Notenbank Fed reagierte – wie auch die Bank of England – schneller als die EZB, weil die Lage in den USA anders ist. In Großbritannien lag die Inflation zuletzt bei über 5, in den USA sogar bei 6,8 Prozent. Die Preissteigerung sei „weit über das Ziel“ hinausgeschossen, erklärte Fed-Chef Jerome Powell am Mittwochabend. Deshalb würden nicht nur die Anleihekäufe im kommenden März beendet.

Die Fed sei außerdem „sehr gut aufgestellt für Zinserhöhungen“, sagte Powell. Wie aus dem Ausblick der US-Währungshüter hervorgeht, halten diese 2022 drei Zinsschritte nach oben für angebracht. Ende 2022 würde das Niveau dann bei 0,9 Prozent liegen. Vorläufig bleibt der Leitzins aber noch in der Spanne von 0 bis 0,25 Prozent. Eine weitere Begründung für die Änderung: Die Arbeitslosigkeit sinke in Richtung Vollbeschäftigung. Damit entfällt ein Grund, die Wirtschaft mit billigem Zentralbankgeld zu unterstützen. Im Gegenteil: Ein gewisser Mangel an Arbeitskräften könnte dazu führen, dass die Löhne erheblich steigen, eine Lohn-Preis-Spirale in Gang kommt und die Inflation weiter zunimmt. Dem will die Fed mit höheren Zinsen, also einer Bremse für die Investitionen der Unternehmen, entgegenwirken.

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