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Das Grimme-Institut meldet sich auf der medienpolitischen Bühne zurück. Das ist zunächst mal eine gute Nachricht. „Diskursraum“ nennt sich das etwas sperrig. Am Donnerstag geht es in Düsseldorf um „Journalismus zwischen Objektivität, Aktivismus und Auszeichnung“.
In den sozialen Medien wird die Grimme-Veranstaltung von Moderator Torsten Zarges mit der Frage „Belohnen Medienpreise zu oft Haltungsjournalismus?“ beworben. Und hier wird es problematisch. Es gibt keine Statistik, die diesen Eindruck belegen würde. Sondern nur interessierte Kreise, die das behaupten. Übrigens nicht nur mit Blick auf den Journalismus, sondern auf Kultur als Ganzes. Erinnert sei an Wolfram Weimers linke Buchläden und erst recht an die AfD.
Es gibt keinen Journalismus ohne Haltung. Die ihn auf eine wie auch immer definierte „Neutralität“ verpflichten, führen nichts Gutes im Schilde. Sondern wollen kritische Berichterstattung mit dem Totschlagargument behindern, sie sei ja nicht neutral. Weil eben eine Seite kritisiert wird. Dieses Framing greift leider immer mehr um sich. Grimmes Diskursraum wäre gut beraten, es nicht noch latent zu befördern.
Dass es überhaupt zu dieser Veranstaltung kommt, hat außerdem eine Vorgeschichte. Grimme-Institutsdirektorin Çiğdem Uzunoğlu hatte zugesagt, die Aberkennung der „Besonderen Ehrung“ für die Aktivistin Judith Scheytt beim Donnepp-Preis 2025 aufzuarbeiten. Und nun kommt die schlechte Nachricht. Hier wird sie es nicht. Denn die Vorgeschichte ist bestenfalls Anlass, aber nicht Thema.
An diesem Punkt bin ich allerdings nicht neutral. Ich war Mitglied der Jury, die Judith für ihre so heftige wie kluge Kritik an der deutschen Nahost-Berichterstattung mit dieser „Besonderen Ehrung“ ausgezeichnet hat. Und ich gehöre zu dem Teil der Jury, der gegen die Aberkennung der vom Grimme-Förderverein vergebenen Auszeichnung durch dessen Vereinsvorstand war und ist.
Die „Besondere Ehrung“ ist dabei kein klassischer Journalismuspreis, sondern würdigt kritische Rufe vom Beckenrand ins mediale Haifischbecken. Und dass Judith nicht als Journalistin ausgezeichnet wurde, sondern für „Medienkritik, Aktivismus und Demokratiebildung“, stand 2025 klar in der Pressemeldung.
Die Debatte wurde damals vor allem von der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ausgelöst. Sie verbat sich Judiths Kritik an Israel und forderte massiv die Aberkennung. Die erfolgte dann nach einem Gespräch mit der Gesellschaft, an der auch die Grimme-Direktorin teilnahm.
Das Spannungsfeld Israel- und Palästina-Berichterstattung fehlt im Grimme-Diskursraum nun aber komplett. Das führt zu einer absurden Schieflage, denn es ging bei Judith eben nicht um die Vermessung von Journalismus und Aktivismus. Sondern um das mediale Minenfeld Gaza, Palästina und Israel.
„Zwischen Einordnung und Vereinnahmung – Antisemitismus und Israelberichterstattung in den Medien“ hätte das Thema im Grimme-Diskursraum also heißen müssen. Tut es aber leider nicht. Unter diesem Titel lädt jetzt vielmehr die Konrad-Adenauer-Stiftung am kommenden Freitag zur Diskussion in Berlin ein. „Während sich in Düsseldorf dann Çiğdem und Judith zu Kaffee und Gespräch treffen?“, fragt die Mitbewohnerin.
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