Stadtentwicklung

Denn das „Sportamt“ gehört uns

Die bisherigen ZwischennutzerInnen halten das „Alte Sportamt“ am Weser-Stadion seit Donnerstag besetzt. Sie hoffen, dauerhaft bleiben zu können.

Schluss mit Zwischennutzung: Das "Sportamt" wird besetzt. Bild: Jean-Philipp Baeck

BREMEN taz | Das //altes-sportamt.de/:„Alte Sportamt“ ist besetzt. Etwa 100 Menschen sind am späten Donnerstagnachmittag vom Ziegenmarkt zu dem Gebäude neben dem Weser-Stadion gezogen. Sie haben die Schlösser ausgetauscht und fordern eine politische Lösung zur dauerhaften Nutzung.

Die Aktion verlief dabei weniger klandestin als sonst bei Hausbesetzungen üblich: Transparente und Parolen fehlten zwar nicht, ansonsten aber marschierten die AktivistInnen eher entspannt, in Begleitung einer Sambagruppe, auf das Gelände. Denn besetzt wird das „Alte Sportamt“ von den bisherigen ZwischennutzerInnen – und die dürfen eigentlich noch den Sommer über bleiben.

Zur Eskalation kam es laut den BesetzerInnen unter anderem wegen mangelnder Kommunikation von Seiten der städtischen „Immobilien Bremen“ (IB), die das Gebäude verwaltet: Davon, dass die Nutzung beendet und das „Alte Sportamt“ künftig an einen Verein zur Lagerung von Sportgeräten vermietet werden solle, hatten die ZwischennutzerInnen nur per Gerücht erfahren (taz berichtete). Ohne mit ihnen zu sprechen, hätte IB dann eine Duldung der Zwischennutzung noch bis Ende des Jahres im Weser-Kurier verkündet – und dass danach endgültig Schluss sei.

Seit 2011 hatten die etwa 30 ZwischennutzerInnen Konzerte, Lesungen, Filmabende, Theateraufführungen sowie einen Umsonstladen im „Sportamt“ organisiert – jeweils nur in den Sommermonaten, weil die Behörde durch die Lage des Geländes im Überschwemmungsgebiet keine andere Nutzung erlaubt.

Von Anfang an hätten sie auf eine dauerhafte Lösung gedrängt, sagte ein Sprecher der AktivistInnen. „Wir sind immer wieder nur für den nächsten Sommer geduldet worden, Zusagen kamen teilweise erst im April.“ Er und die anderen Kreativen kritisieren mittlerweile das gesamte Zwischennutzungskonzept: „Das ’Inwertsetzen‘ von ökonomisch unnutzbaren Gebäuden durch provisorische Kultur-Projekte gehört inzwischen zum Einmaleins einer gezielten Stadtentwicklung, erschwert aber gleichzeitig den Aufbau von dauerhaften, alternativen Strukturen“, heißt es in einer Erklärung.

Ihnen sei bewusst, dass das Gebäude komplizierten Sonderbedingungen unterliege, heißt es weiter. „Wir haben jedoch vier Sommer lang bewiesen, dass die Art von Nutzung, wie wir sie betreiben, durchaus funktioniert. Daher lassen wir uns nicht länger abspeisen mit Verweisen auf Baurecht und Gesetze.“ Sie wollen weder einer erneuten Zwischennutzung zustimmen noch freiwillig gehen. Bis Ostermontag wurde ein volles Programm organisiert, mit Workshops, Filmabenden und Konzerten.

Der grüne Kulturpolitiker Carsten Werner appelliert an Behörden und Nutzer, „dringend ernsthafte Verhandlungen“ zu beginnen. Die Initiative habe ein gutes soziokulturelles Angebot entwickelt. Generell zeige sich, dass Kulturpolitik und Kulturverwaltung nicht an „engen Ressort- und Zuständigkeitsgrenzen“ aufhören dürfe: „Kulturentwicklung ist auch Stadtentwicklung, Bildungs- und Sozialarbeit und kein reines ,Privatvergnügen“, so Werner.

Bei der Immobilien Bremen ist man verärgert. Man sei in den letzten Jahren „sehr kulant gewesen“, sagte ein IB-Sprecher zum Weser-Kurier, eine Aneignung fremden Eigentums könne man nicht tolerieren. Am Dienstag nach Ostern werde das Gespräch gesucht.

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