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Staatliche Energiesparvorgaben Katastrophen als Katalysator

Kommentar von

Stefan Alberti

Wärmer im Sommer, kälter im Winter – in Einrichtungen des öffentlichen Lebens. Deutschland sollte sich beim Energiesparen an Spanien orientieren.

I m Kino sitzen und durchs Museum gehen bei 27 Grad? Im Winter im Büro hocken bei maximal 19 Grad? Was Spaniens Regierung gerade zum Energiesparen beschlossen hat, wirft die Frage auf: Warum ist das eigentlich nicht längst auch bei uns so? Greenpeace liegt darum nicht falsch, die Bundesregierung zum Nachziehen aufzufordern.

Doch wie bei den meisten Dingen, die erst mal einfach und naheliegend erscheinen, steckt das Problem im Detail. Natürlich ist es machbar, auch bei 27 Grad durchs Museum zu wandeln – aber was ist mit den ausgestellten Bildern, teils unersätzlichen Kunstschätzen? Verträgt eine „Mona Lisa“ Schwankungen zwischen 19 und 27 Grad?

Natürlich dürften sich da Lösungen finden lassen – dann steckt man die empfindlichsten Stücke eben in Glaskästen mit eigener Temperierung. Auch wenn das dann nicht mehr ganz so schön aussieht, wäre es doch ein geringer Preis für die generelle Energieeinsparung.

Was das Heizungrunterdrehen am Arbeitsplatz angeht, wäre mancher Arbeitgeber bestimmt längst gern aktiv geworden – allein aus Kostengründen. Der auf Bundesebene geregelte Arbeitsschutz allerdings, so hat es jüngst etwa Berlins Wirtschaftssenator dargelegt, gibt bislang etwas anderes vor – und das nicht ohne Grund.

Letztendlich ist alles lösbar und aktuell wegen der drohenden Energieknappheit vermutlich noch viel schneller als zu normalen Zeiten. Womit wir bei der Parallele zur Corona­krise wären: Der Krieg in der Ukraine beschleunigt wie die Pandemie Prozesse, die ohnehin drängten, die aber nur sehr langwierig umsetzbar schienen – hier Energieeinsparung und damit verbundener Klimaschutz, dort die Digitalisierung.

Deshalb kann das, was hoffentlich auch die Bundesregierung bald beschließt, keine Notlösung für möglichst bald endende Kriegszeiten sein. Einmal durchgesetzt, hilft ein deutlich niedrigerer Energieverbrauch letztlich allen: dem Klimaschutz sowieso, aber auch denen, die nicht überall ein Windrad mögen oder zügig ohne Atomstrom auskommen wollen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Stefan Alberti Redakteur für Berliner Landespolitik

Jahrgang 1967. Seit 2002 mit dreieinhalb Jahren Elternzeitunterbrechung bei der taz Berlin. Schwerpunkte: Abgeordnetenhaus, CDU, Grüne.
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