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Spionage in DeutschlandMutmaßliche Russland-Agentin in Untersuchungshaft

Ilona W. soll sensible Daten an Russland weitergegeben haben. Die Bundesregierung weist zudem einen russischen Militärattaché aus.

Die russische Botschaft in Berlin. Ilona W. soll geheimdienstliche Kontakte zur russischen Botschaft haben Foto: Christoph Soeder/dpa

afp | Einen Tag nach ihrer Festnahme ist die mutmaßliche Russland-Spionin Ilona W. in Untersuchungshaft genommen worden. Das ordnete der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof an, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Donnerstag mitteilte. W. soll einem russischen Geheimdienst Informationen übermittelt haben, unter anderem zum Ukraine-Krieg.

W. wurde am Mittwoch in Berlin festgenommen. Laut Bundesanwaltschaft unterhielt sie spätestens seit November 2023 geheimdienstliche Kontakte zur russischen Botschaft. Unter anderem besteht der Verdacht, dass W. Hintergrundinformationen über Teilnehmer hochkarätiger politischer Veranstaltungen zusammengestellt habe.

Außerdem habe sie Erkundigungen über Standorte der Rüstungsindustrie, Drohnentests und geplante Lieferungen von Drohnen an die Ukraine eingeholt. Einige Male soll sie ihrem Kontaktmann aus der Botschaft dabei geholfen haben, unter falscher Identität selbst politische Veranstaltungen in Berlin zu besuchen, um dort Kontakte aufzubauen.

Die Bundesregierung bestellte am Donnerstag den russischen Botschafter ein. Ihm wurde mitgeteilt, dass ein weiterer Verdächtiger in dem Fall ausgewiesen wurde. Dieser habe „im Auftrag von Russland spioniert“. Dabei soll es sich um den Führungsoffizier der mutmaßlichen Spionin handeln, den stellvertretenden Militärattaché der Botschaft. W. soll ihre gesammelten Informationen zum Ukraine-Krieg an diesen Kontaktmann weitergegeben haben.

Auch gegen zwei frühere Bundeswehrangehörige wird ermittelt, die W. persönlich kannte. Sie stehen unter Verdacht, ihr dienstliche Informationen gegeben zu haben – dabei ist unklar, ob sie wussten, dass diese offenbar an den Geheimdienst gehen sollten. Dem Bundesverteidigungsministerium zufolge handelt es sich um einen ehemaligen Stabsoffizier, der kürzlich in Pension ging, und um einen Beamten des höheren Diensts, der die Bundeswehr vor mehr als 15 Jahren verließ.

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