Spielzeug-Trend „Pop-it Fidget Toy“: Plopp. Plopp. Plopp.

Es ist bunt, wabbelig und plötzlich sieht man es überall – der „Pop-it Fidget“. Das Sommer-Toy des Jahres ist auf viele Arten Ausdruck unserer Zeit.

Auf einer rosa Fläche liegen ein paar Push-Popper-Spielzeuge in Regenbogen-Farbe aus Weichsilikon

Faszination „Plopp“ – wie eine nie aufbrauchbare Luftpolsterfolie. Spielen kann so einfach sein Foto: getty images

Meine Hände wandern über ein Stück Weichsilikon in Herzform. Viele runde Vertiefungen hat es, erinnert an eine Eiswürfelform für die Kühltruhe. Doch lassen sich die Halbkugeln durchdrücken. Das ist der Clou.

Von der einen Seite erfordert das minimalen Kraftaufwand. Von der anderen nur einen leichten Stupser. Dann wird potentielle Energie in kinetische Energie umgewandelt, oder anders ausgedrückt: Plopp. Plopp. Plopp. Wie eine unendlich oft wiederverwendbare Luftpolsterfolie.

Wie aus dem Nichts aufgeploppt sind die regenbogenbunten Herzen, Rechtecke, Dinosaurier, Eisbecher, Aliens. In Berlin-Neukölln füllen sie die Auslagen, Freunde und Kolleginnen berichten von Sichtungen in Schulklassen, auf Spielplätzen, in Frankreich, Griechenland, Dänemark.

The name of the game? „Pop-it Fidget Toy“, und, Moment, Fidget – war da nicht was? Genau: der Fidget Spinner, eine Art Zwischen-den-Fingern-Drehkreisel, war das Sommer-Toy des Jahres 2017. Die Pop-its sind nun der Spielzeugtrend 2021. Und das zu Recht, sind sie doch auf ganz viele Arten ein Ausdruck unserer Zeit.

Das geht damit los, dass ihr Erfolg über TikTok befeuert wurde, dem gegenwärtigsten aller sozialen Medien. Auch Youtube spielte eine Rolle. Dann das „fidget“: Das ist schlicht das englische Wort für „zappeln, herumhampeln“ und Sammelbegriff für eine ganze Gattung von Spielzeugen, die dazu dienen, überschüssige Hibbeligkeit und Nervosität abzubauen. Von wo aus es natürlich nicht weit zu ADHS und Autismus bei Kindern ist, einige Onlinehändler bewerben ihre Pop-its unverfroren mit diesen Schlagwörtern.

Der Wunsch nach Haptik

Ob sie hier wirklich helfen, ist wissenschaftlich aber nicht gesichert. Setzt man sich die Trendforschungsbrille auf, dann bedienen Pop-its den Wunsch nach Haptik in einer Welt aus Touchscreens und glatten Oberflächen – und sind damit eigentlich genau das, was pädagogisch wertvoll denkende Eltern für ihre Digital-Native-Kinder wollen, „Spielt doch mit euren Händen!“ und so. Aber, na ja: Doch nicht so! Doch nicht mit buntem Kunststoff! Macht halt leider mehr her als Holzklötze.

Dieser Text stammt aus der taz am wochenende. Immer ab Samstag am Kiosk, im eKiosk oder gleich im Wochenendabo. Und bei Facebook und Twitter.

Inzwischen gibt es schon Bücher, die rund um die Gummimatten kleine Spiele und Aufgaben erfinden, etwa „Vorschule Spaß mit POP IT“ oder auch „Pop it Fidget Toys – Games, Hacks & more“ von Patti Lee vom YouTube-Channel Hey PatDIY. Man kann zum Beispiel das Nim-Spiel damit spielen, einen Klassiker aus der Kombinatorik, bei dem abwechselnd beliebig viele Objekte aus einer Reihe genommen beziehungsweise Halbkugeln weggeploppt werden, bis der gewinnt, der die letzte ploppt.

Man kann aber auch einfach nur spüren, fühlen, greifen, ploppen. Versuchen, drei, vier, vielleicht sogar fünf der Blasen auf einmal umzustülpen. Alle Finger graben sich dann ins weichhartweiche Silikon, gut fühlt sich das an, oddly satisfying. Bis dieser Sommer irgendwann zu Ende ist.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de