Spenden an Neuköllner Buchhandlung: Alle Kinder gegen rechts

Die Buchhandlung Leporello hat Spenden vom Klett Kinderbuch Verlag bekommen. Das Geld stammt vom Verkauf von Büchern auf einem neurechten Webshop.

Auf einer Karikatur sind mehrere Kinder zu sehen, vor ihnen steht ein Mann mit einer Deutschlandfahne. Unter dem Bild steht der Vers geschrieben: "Alle Kinder wollen Frieden. Außer Björn, der will stör'n."

Alle gemeinsam, nur einer einsam: In der Karikatur steht Björn mit seiner Haltung allein da Foto: Anke Kuhl

BERLIN taz | Im Schaufenster der Buchhandlung Leporello in Rudow findet sich ein Plakat mit einer frechen Karikatur und dem Vers „Alle Kinder wollen Frieden. Außer Björn – der will stör’n“. Die Zeichnung stammt von Anke Kuhl, Illustratorin des Buches „Alle Kinder“, das vom Klett Kinderbuch Verlag herausgegeben wird. Die spezielle Karikatur findet sich allerdings nicht im Buch wieder, denn der Vers wurde von Heinz Ostermann verfasst, dem Inhaber von Leporello.

Ostermann hat kürzlich vom Klett Kinderbuch Verlag eine Spende in Höhe von 500 Euro erhalten. Die Summe ist der Ausgleich für den Gewinn, den Klett Kinderbuch durch den Verkauf von „Alle Kinder“ über den Webshop des neurechten Verlags Antaios gemacht hat – ungewollt. Klett-Verlegerin Monika Osberghaus hatte versucht, durch Kontaktaufnahme mit zwei großen Buchhändlern die Weitergabe von „Alle Kinder“ an Antaios zu verhindern. Nach Recherchen der taz handelt es sich bei den Großhändlern um Zeitfracht und Libri, die dem Wunsch von Klett Kinderbuch nicht nachkamen.

Deshalb erfolgte die Spende an Leporello. Die Buchhandlung war in den vergangenen Jahren mehrfach Zielscheibe von rechten Angriffen geworden, nachdem sich der Inhaber gegen rechts positioniert hatte. Auf die Frage, ob sein Plakat im Schaufenster nicht erneut Steinwürfe provozieren könnte, zeigt sich Ostermann wenig beeindruckt: „Eine Kundin hat bereits um einen Ausdruck des Bildes gebeten, um es an Weihnachten zu verschenken“, sagt er schmunzelnd.

Die Björn-Karikatur wird auch auf der Frankfurter Buchmesse, die seit Mittwoch eröffnet ist, zu sehen sein. Denn trotz der Anwesenheit von rechten Verlagen ist auch der Klett Kinderbuch Verlag auf der Messe vertreten.

Großhandel muss Konsequenzen ziehen

Ostermann wünscht sich, dass vor Ort Aufklärung und Diskussion stattfinden wird. „Ich hoffe, dass Klett Kinderbuch viele Gesprächspartner findet, die ihre Aktion gutheißen und die Gedanken weitergeben. Denn je mehr Verlage, vor allem größere, sich zusammentun und betonen, dass Antaios kein Geld mit ihren Büchern verdienen darf, desto stärker wächst der Druck auf die Großhändler. Vielleicht ziehen sie irgendwann die Konsequenz und berücksichtigen das.“

Denn Klett Kinderbuch ist nicht der einzige Verlag, dessen Bücher der Antaios-Web­shop verkauft. Auch antirassistische, feministische und queere Bücher sind dort im Angebot, da Antaios die Bücher von Buchgroßhändlern bezieht. Solange diese keine Konsequenzen ziehen, kann Antaios Gewinn durch antirassistische Werke erzielen.

Den Spendenbetrag, den Leporello erhalten hat, möchte Ostermann übrigens an die von ihm mitgegründete Initiative „Rudow empört sich“ weitergeben. Über die Initiative werden regelmäßig Treffen organisiert, die sich gegen rechts positionieren.

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