Spekulationsblase in China

Schuhe kaufen statt Gold horten

In China wächst eine neue Spekulationsblase: Luxus-Sneaker. Die Finanzbranche nimmt das ernst. Es wäre nicht die erste ungewöhnliche Blase.

Der Gründer des chinesischen Konzerns Solestage steht vor einer Regalwand mit Sneakern

Xia Jiahuan, Gründer von „Solestage“ Foto: Li Ying/Xinhua/imago images

PEKING taz | Wer das Solestage im hippen Pekinger Sanlitung-Viertel betritt, kommt sich vor wie in einem Turnschuh-Museum: Bis zur Decke türmen sich exklusive Sneaker-Modelle, viele von ihnen rarer als Rolex-Uhren. Exemplare für mehrere tausend Euro stehen dort im Regal, die teuersten Modelle in einer gläsernen Vitrine. Dort thronen beispielsweise die Turnschuhe aus dem 80er-Jahre-Kultfilm „Zurück in die Zukunft“ oder die vom Rapper Eminem designten Air Jordan 4 Retro.

„Von dem Modell wurden weltweit nur zehn Paar produziert“, sagt der 25-jährige Jerry, der in der Finanzbranche arbeitet. In seiner Freizeit zieht es den Mittzwanziger allwöchentlich ins Solestage, um die neuesten Importe aus dem Ausland zu begutachten. „Ich sammele selber Sneaker, das macht mich glücklich und ist Ausgleich zum ganzen Arbeitsstress“, sagt er. Letztes Jahr hat er sich 30 Modelle für seine Sammlung gekauft – und dutzende weitere Schuhe, um mit ihnen zu handeln.

Über 400 Millionen Chinesen zählen wie Jerry zu der sogenannten Millennial-Generation, viele von ihnen sind kaufkräftig, digital bewandert und unternehmerisch im Denken, ständig auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten mit möglichst hohen Renditen. Die derzeit heißeste Ware sind für sie limitierte Sneaker-Modelle. Populär gemacht durch NBA-Stars und amerikanische Rapper, haben die Schuhe weltweit ihren Siegeszug angetreten. Längst sind Luxus-Marken auf den Zug aufgesprungen und bringen hochwertige Freizeitschuhe in stark limitierter Anzahl auf den Markt.

Im Grunde ist das Handeln mit Sneakern nicht viel anders als am Aktienmarkt. Jerry kramt sein Smartphone heraus, auf dem er mehrere chinesische Sneaker-Apps installiert hat. Die führende von ihnen, Poizon, ist dieses Jahr zum „Unicorn“ aufgestiegen, das Unternehmen dahinter ist damit mehr als eine Milliarde Dollar wert. Von dort ordert Jerry limitierte Schuhmodelle aus Übersee, lässt sie sich nach Peking liefern und verkauft sie dann in China weiter. Seine Kunden findet er über Wechat, einer Art digitalen Hybrid-App aus Facebook, Onlinebanking und Ebay. 50 Euro Gewinn kassiert er im Schnitt pro Paar.

Nicht die erste ungewöhnliche Blase

„Den Trend, mit Schuhen zu handeln, gibt es schon seit Jahren, aber wirklich populär ist es erst vor Kurzem geworden“, sagt eine 29-jährige Modehändlerin aus Peking: „Einer der Gründe sind die erfolgreichen Marketingkampagnen der Sportmarken.“

Laut Branchenexperten beläuft sich der chinesische Wiederverkaufsmarkt von Sneakern auf über 1 Milliarde Dollar. Vor Kurzem hat die Chinesische Volksbank die Finanzagenturen der Stadt vor einer Spekulationsblase gewarnt. In der Vergangenheit sind solch überhitzten Märkte schon öfter gescheitert. Während der nationalen Feiertagswoche haben etwa Spekulationen zu absurd hohen Preisen von Meeresfrüchten geführt.

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