Soldaten belagern "Rothemden": Bürgerkriegsgefahr steigt minütlich
Rund 5.000 Demonstranten in Bangkok werden von Soldaten belagert. Nach drei Tagen Straßenschlacht gibt es mindestens 25 Tote und mehr als 170 Verletzte.
BANGKOK apn | Die Regierung in Thailand ist offenbar entschlossen, dem seit zwei Monaten andauernden Aufstand der "Rothemden" ein Ende zu bereiten. Nach dreitägigen Straßenschlachten mit 25 Toten werden die rund 5.000 Demonstranten in Bangkok von Soldaten belagert. Entgegen ursprünglicher Überlegungen verzichtete die Regierung aber auf ein Ausgehverbot in der von zehn Millionen Menschen bewohnten Hauptstadt Bangkok. Die Schulen aber bleiben am Montag geschlossen.
Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva verteidigte den Militäreinsatz gegen die Regierungsgegner. "Wir dürfen nicht zurückweichen, denn wir handeln zum Wohle des ganzen Landes", sagte er am Samstag in einer Fernsehansprache. Militärsprecher Sansern Kaewkamnerd schätzte die Zahl der noch ausharrenden Demonstranten auf 5.000. "Wenn sie die Situation nicht beenden, werden wir in das Lager eindringen müssen", sagte der Oberst.
Bei Straßenschlachten und Schießereien wurden nach Angaben der Behörden bis Samstag 25 Menschen getötet und mehr als 170 verletzt. Die Streitkräfte erklärten einen Teil des Stadtzentrums von Bangkok zur Sperrzone, in der vor Schusswaffengebrauch gewarnt wird. Auf den Dächern von Hochhäusern am Rand der Protestzone wurden Scharfschützen postiert. "Die Lage kommt minütlich einem Bürgerkrieg näher", sagte einer der Führer der Protestbewegung, Jatuporn Prompan. Zugleich erklärte er den Widerstandswillen der "Rothemden".
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an beide Seiten, weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Die US-Botschaft in Bangkok bot den Angehörigen ihrer Mitarbeiter an, sie aus der Stadt in Sicherheit zu bringen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle äußerte sich sehr beunruhigt über die Lage in Bangkok und riet dringend von Reisen in die thailändische Hauptstadt ab.
Der Machtkampf begann Mitte März, als mehrere zehntausend Menschen aus verarmten Dörfern in die Hauptstadt strömten und den Rücktritt der Regierung forderten. Seitdem kamen 51 Menschen ums Leben. Die Regierung kam der Protestbewegung entgegen und erklärte sich zu Neuwahlen bereit. Eine Einigung auf einen gemeinsamen Friedensplan scheiterte aber an ungeklärten Detailfragen. Am Donnerstagabend dann begannen die Sicherheitskräfte, das von den "Rothemden" besetzte Viertel im Zentrum Bangkoks abzuriegeln. Die Lage spitzte sich zu, nachdem ein zur Opposition übergelaufener Offizier beschossen und lebensgefährlich verletzt worden war.
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