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Serie „Vanished“Verschwunden in Marseille

„Vanished“ erzählt von einer jungen Frau, die im Urlaub ihren verschwundenen Boyfriend sucht. Dann findet sie mehr über ihn heraus, als ihr lieb ist.

Szene aus der Serie „Vanished: Alice (Kaley Cuoco) und Tom (Sam Claflin) Foto: ard

Als Alice (Kaley Cuoco) mit ihrem Freund Tom (Sam Claflin) im Zug von Paris nach Marseille sitzt, nickt sie während der Fahrt kurz ein. Als sie wieder aufwacht, ist der Platz neben ihr leer.

Tom ist einfach weg. Sie sucht den ganzen Zug nach ihm ab, aber ihr Lover bleibt verschwunden. In Marseille angekommen, macht sich Alice weiter auf die Suche nach ihm und steckt plötzlich mittendrin in einer aberwitzigen Geschichte. Jemand trachtet ihr sogar nach dem Leben.

Das starbesetzte „Vanished“ wirkt zuerst wie eine etwas zu bieder geratene Thriller-Serie mit bekannten Motiven. Ein Mann verschwindet. Auch die Polizei kann Alice nicht weiterhelfen, die nun immer panischer wird. Steckt da ein Verbrechen dahinter oder hat Tom einfach kalte Füße bekommen und sie verlassen? Kennt Alice ihren Lover überhaupt richtig?

„Vanished“

in der ARD-Mediathek .

Bisher haben sie sich nur in Hotels getroffen. Sie macht als Archäologin Ausgrabungen in Albanien, er arbeitet bei einer Hilfsorganisation in Jordanien. Im Zug hatte Alice ihrem Traummann noch davon erzählt, dass sie nun eine Stelle an der Uni in Princeton bekommt und sie zusammen in den Staaten leben könnten. Hat ihn das verschreckt?

Eine neue Dimension

Dann mischt sich Investigativ-Journalistin Helene (Karin Viard) in Alice verzweifelte Suche ein. Sie behauptet, Tom hätte etwas mit Menschenhandel zu tun. Das gibt der Geschichte eine neue Dimension.

Die Hilfsorganisation, zu der Alice schließlich auch geht und dort Toms freundlichen Kollegen Alex Durand (Matthias Schweighöfer) trifft, wäre laut Helene nur Fassade. Das behauptet die Journalistin zumindest, der Alice aber auch nicht wirklich traut.

Wie sich herausstellt, hat Helene wegen erfundener Recherchen nämlich kurz zuvor ihren Job verloren. Die Story über den Menschenhandel, in den Tom verwickelt sein soll, ist ihr letzter beruflicher Rettungsanker.

Der international produzierte Vierteiler „Vanished“ startete weltweit schon vor einem Monat auf bezahlpflichtigen Streamingplattformen, nur hier im deutschsprachigen Raum läuft er in der ARD im Free-TV. Die Crime-Story mit Verschwörungselementen spielt sich vor der Kulisse Marseilles ab, bietet inhaltlich wie dramaturgisch am Ende aber wenig Überraschendes.

Alles nur Fassade?

Alice läuft etwas zu hilflos durch die Großstadt, recherchiert plötzlich auf eigene Faust und begibt sich dadurch selbstredend in Gefahr. Denn Dreck am Stecken scheint ihr attraktiver Boyfriend wirklich zu haben.

Hin und wieder geht es in Rückblenden nach Jordanien, wo Alice Tom kennenlernte, der sich im Geflüchtetenlager um die Menschen dort kümmerte. War das wirklich alles nur Fassade?

Der erst so freundliche und joviale Kollege Toms von der Hilfsorganisation, den Matthias Schweighöfer recht hingebungsvoll spielt, mutiert bald zum widerlichen und gewalttätigen Drecksack. Aber überzeugen kann die Story nicht wirklich, auch wenn die Serie durchaus politischen Anspruch hat.

Die Bilder von geflüchteten Menschen, die angsterfüllt in einem Container im Hafen von Marseille eingepfercht sind, sind verstörend. Aber „Vanished“ fokussiert nur auf die europäischen, weißen Akteure in dieser Geschichte und erzählt leider nicht wirklich von denen, um die es eigentlich geht. Die Geflüchteten in dieser sozialpolitisch durchaus ambitionierten Serie, die das brutale Thema Menschenhandel einem breiten Publikum nahebringt, fungieren leider nur als Statisten.

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