Sensationsfund im Regenwald: Mastodon und Megalama

Im kolumbianischen Regenwald haben Archäologen Zeichnungen entdeckt. Dass auch ausgestorbene Tiere zu sehen sind, muss uns zu denken geben.

Felsmalerei mit Tieren

Felsmalerei aus dem kolumbianischen Dschungel Foto: Guillermo Ldegaria/afp

Früher war alles besser. Sogar das Graffito. Von einem Sensationsfund tief im kolumbianischen Regenwald ist die Rede: Zehntausende Malereien, verteilt über 12 Kilometer Felswand. Geometrische Formen, Menschen, Tiere, Masken, Handabdrücke – und detailverliebte Szenen aus dem Leben der damaligen Menschen.

Die Zeichnungen blieben so lange unentdeckt, weil sie in einem von den Farc-Rebellen kontrollierten Waldgebiet liegen, das für Wissenschaftler in den fünfzig Bürgerkriegsjahren zuvor unzugänglich war. Da kommt es dann auf ein Jahr auch nicht mehr an, haben sich die Entdecker wohl gesagt und die Malereien erst mal geheim gehalten.

Nicht etwa zu deren Schutz – sondern zur bestmöglichen Platzierung einer Fernsehdoku des britischen Senders Channel 4 über die Entdeckung, die nun im Dezember ausgestrahlt wird. Wissenschaftsergebnisse nach Sendeplan – das war früher auch irgendwie besser.

Dass die Zeichnungen mindestens 12.000 Jahre alt sind, ergibt sich schon aus den Motiven. Zu sehen sind Urzeittiere wie das Mastodon, ein Vorgänger des Elefanten, Palaeolama, ein eiszeitliches Megalama, und die bezaubernden Riesenfaultiere, die mit ihren mehreren Tonnen Gewicht durch die Gegend stampften, wo heute Regenwald steht.

Die Malereien können uns aber nicht nur bezaubern, sondern auch als Mahnung dienen. All die tollen Tiere, die dort zu sehen sind, gibt es nicht mehr. Warum sie vor rund 10.000 Jahren verschwanden, weiß man nicht genau. Entweder war der rasche Klimawandel am Ende der Eiszeit schuld oder der Mensch, der um diese Zeit einwanderte.

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Die heute übliche Romantisierung der edlen, im Einklang mit der Natur lebenden Urmenschen jedenfalls geht fehl – es gilt als sicher, dass die frühen Amerikaner nicht zimperlich waren bei der Jagd auf die arglosen Riesentiere.

Und falls doch eher der Klimawandel schuld war, ist die Botschaft auch nicht freundlicher: Wenn schon die damaligen natürlichen und relativ langsamen Klimaveränderungen derart verheerende Auswirkungen hatten, ahnt man, was die heutige Turbo-Aufheizung des Planeten für die Artenvielfalt bedeuten wird.

Letztlich blicken wir also auf ein schaurig-schönes Zeugnis der Zerstörung. Früher war vielleicht doch nicht alles besser.

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Heiko Werning ist Reptilienforscher aus Berufung, Froschbeschützer aus Notwendigkeit, Schriftsteller aus Gründen und Liedermacher aus Leidenschaft. Er studierte Technischen Umweltschutz und Geographie an der TU Berlin. Er tritt sonntags bei der Berliner „Reformbühne Heim & Welt“ und donnerstags bei den Weddinger „Brauseboys“ auf und schreibt regelmäßig für Taz und Titanic. Letzte Buchveröffentlichung: „Vom Wedding verweht“ (Edition Tiamat).

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