Semesterstart an Hochschulen: Teurer studieren in Niedersachsen
Wer in Niedersachsen studiert, zahlt dafür mehr als fast überall sonst in Deutschland. Und steigende Semesterbeiträge bedeuteten steigende Belastungen.
Foto: Michael Matthey/dpa
In Niedersachsen ist das Studieren teuer. Mit 484 Euro verlangen die Leuphana Universität Lüneburg und die Georg-August-Universität Göttingen die höchsten Semesterbeiträge aller staatlichen Hochschulen in Deutschland. Neun der zehn teuersten Semesterbeiträge bundesweit werden an niedersächsischen Hochschulen erhoben. Nur die Universität Bremen fällt auf Platz 9 aus der Reihe. Dazwischen reihen sich die Unis aus Braunschweig. Dies ergab eine Auswertung der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.
Jonas Rautenberg von der Landes-Asten-Konferenz Niedersachsen sieht dadurch den Grundsatz, dass Bildung für alle zugänglich sein sollte, gefährdet: „Besonders für Studienanfänger*innen stellt die Zahlung eine große finanzielle Hürde dar, da sie häufig zeitgleich mit weiteren Kosten für den Auszug aus dem Elternhaus konfrontiert sind.“
Der Semesterbeitrag setzt sich in der Regel aus dem Beitrag zum Studierendenwerk, der Verwaltungsgebühr und dem Semesterticket zusammen. Den größten Anteil macht das Deutschlandticket aus. An den meisten Hochschulen entfällt etwa die Hälfte des Semesterbeitrags darauf. Im Wintersemester 2026/27 entspricht das rund 227 Euro, was 60 Prozent des regulären Preises sind. Das Deutschlandticket sieht Rautenberg aber nicht als Teil des Problems: „Das frühere Semesterticket hat nicht alleStrecken abgedeckt. Das Problem der wachsenden finanziellen Belastung im öffentlichen Nahverkehr sind die steigenden Preise.“
Auffällig hoch sind in Niedersachsen die Studierendenwerksbeiträge im Vergleich zu Hochschulen in anderen Bundesländern. So zahlen etwa Studierende in Lüneburg mit 150 Euro fast doppelt so viel wie beispielsweise in Erlangen-Nürnberg mit 82 Euro. Das liegt vor allem daran, dass der Zuschuss vom Land Niedersachsen in den vergangenen Jahrzehnten kaum gestiegen ist. Lag der im Jahr 2000 bei rund 17,6 Millionen Euro, sind von 2025 bis 2027 jährlich 18 Millionen Euro an Finanzhilfe vorgesehen.
Niedersachsen gibt nur punktuell mehr Geld
Andere Bundesländer haben ihre Unterstützung an die gestiegenen Kosten angepasst. In Niedersachsen floss dagegen nur punktuell mehr Geld. In der Energiekrise gab es einmalig 30 Millionen Euro. Dazu kommt eine Erhöhung der Finanzhilfe um 2,8 Millionen Euro, die sich auf vier Jahre verteilt. Beim Studierendenwerk Ost-Niedersachsen, das unter anderem für Lüneburg und Braunschweig zuständig ist, ging die Unterstützung sogar zurück:Im Jahr 2000 erhielt es noch 5,3 Millionen Euro vom Land. 2024 waren es nur noch 3,9 Millionen Euro.
Daniel Voigt, Sprecher des Wissenschaftsministeriums in Niedersachsen
Das Verhältnis zwischen Landesförderung und Studierendenbeiträgen hat sich in Niedersachsen in den vergangenen 25 Jahren nahezu umgekehrt. Im Jahr 2000 machten die Finanzhilfen des Landes noch 19,7 Prozent der Einnahmen der Studierendenwerke aus, die Beiträge der Studierenden lediglich8 Prozent. 2023 waren es nur noch 9,4 Prozent Finanzhilfen, aber 20,2 Prozent Beiträge.
Daniel Voigt, Sprecher des Wissenschaftsministeriums in Niedersachsen, verweist auf Maßnahmen zur finanziellen Entlastung der Studierenden: „Das Niedersachsen-Menü hat sich als echtes Erfolgskonzept erwiesen. Ein Mittagessen für 2,50 Euro pro Tag in allen Mensen landesweit entlastet Studierende im Alltag spürbar“, sagt Voigt.
Unterdessen wird das Studieren künftig noch teurer. In Göttingen etwa stieg der Beitrag zum Studierendenwerk im Sommersemester 2026 bereits um 30 Euro auf 157 Euro. Bis 2030 sollen jedes Jahr weitere 10 Euro hinzukommen. Voigt sieht auch den Bund in der Verantwortung: „Es bedarf auch entschlossenerer Maßnahmen des Bundes, um die wachsenden finanziellen Belastungen auszugleichen.“ Er verweist auf die Notwendigkeit einer grundlegenden Bafög-Reform.
Auch beim Verwaltungskostenbeitrag liegt Niedersachsen im Ländervergleich weit vorn. Niedersächsische Studierende zahlen 75 Euro pro Semester. In anderen Bundesländern fällt der Beitrag deutlich geringer aus, in Bayern fallen gar keine Verwaltungsgebühren an. „Die Verwaltungsgebühren dienen der Finanzierung von Verwaltungsleistungen, die unmittelbar den Studierenden zugutekommen. Angesichts der herausfordernden Haushaltslage besteht nicht die Möglichkeit, den Verwaltungskostenbeitrag abzuschaffen“, sagt Ministeriumssprecher Voigt.
Rautenberg widerspricht: „Wir sind dafür, den Beitrag abzuschaffen. Das Land bessert damit auf Kosten der Studierenden seinen Haushalt auf, und es ist nicht klar, was mit dem Geld passiert.“
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