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SchwarzwaldAn einem Ort namens „Aha“

Wo „Na ja“ und „Tja“ nicht weit sind: Nach einer Wanderung im Schwarzwald gibt es Torte und kalte Kachelöfen.

Illustration: Donata Kindesperk

A n einem Ort namens „Aha“ teilen wir uns ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte. „Wenn man schon im Schwarzwald ist, kann man nicht gehen, ohne sie zu probieren“, meint meine Freundin, obwohl sie Süßes nicht mag. Die Gelegenheit passt: Wir müssen eine Stunde auf die S-Bahn warten, es dämmert und es wird kälter. Außerdem finden wir es witzig, dass eine Ortschaft „Aha“ heißt, und wollen uns allein aus diesem Grund dort ein bisschen aufhalten. Vielleicht gibt es ganz in der Nähe auch „Na ja“ oder „Tja“, spinnen wir herum.

Das einzige Café-Restaurant, das in Aha geöffnet hat, wirbt auf einem Klappschild vor der Tür mit dem Versprechen: „Gemütlich essen beim Kachelofen.“ Drinnen stehen tatsächlich zwei grün gekachelte Öfen in der Mitte des weiten Gastraums, aber warm sind sie nicht. Wir sind die einzigen Gäste, es sieht so aus, als würde der Laden gleich schließen. Wir entscheiden uns trotzdem zu bleiben, bis unser Zug fährt. Also bestellen wir die Torte, dazu ein Bier für mich und einen Tee für sie. Wir erinnern uns an die Abenteuer, die wir am Nachmittag erlebt haben.

Bei unserer Wanderung im Wald hatten wir den Weg verloren und mussten uns durch das Gestrüpp einen neuen bahnen. Wir stapften über eine verschneite Wiese, sanken bei jedem Schritt bis zum Knie ein, krochen unter möglicherweise elektrifizierten Drähten à la James Bond hindurch und fanden schließlich einen sicheren Pfad, der uns zum Schluchsee führte. An seinem Ufer entlang liefen wir bis an die Aha-Haltestelle.

Als die S-Bahn kommt, ist der Himmel dunkelblau, in der Ferne sieht man den Rauch aus den Schornsteinen der kleinen Häuser aufsteigen, eine Note von verbranntem Holz liegt in der Luft. Wir freuen uns darauf, in unsere Hütte zwei Dörfer weiter zurückzukehren, die nassen Schuhe auszuziehen und uns am Kamin aufzuwärmen.

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Luciana Ferrando
Jahrgang 1978, ist freie Autorin. Fast 10 Jahre lang war sie in verschiedenen spanischsprachigen Redaktionen, Zeitungen und Magazinen in ihrem Heimatland Argentinien tätig. Im Jahr 2008 migrierte sie nach Deutschland. Seit 2015 schreibt sie unter anderem Porträts, Reportagen und Kolumnen für deutsche Medien wie die taz, am liebsten über Stadtleben, feministische Themen, Kulinarisches und die Liebe. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Foto: Naïma Erhart
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