Schwarzenegger und Brown übers Klima

„Es geht ums Überleben“

Arnold Schwarzenegger und sein Amtsnachfolger, Gouverneur Jerry Brown, haben eine Mission – die USA von den Gefahren des Klimawandels zu überzeugen.

Arnold Schwarzenegger und Jerry Brown

Jerry Brown (l.) und Arnold Schwarzenegger haben ein gemeinsames Ziel: die Welt retten. Oder zumindest die USA. Foto: dpa

taz: Fährt jemand von Ihnen noch einen VW?

Jerry Brown: Nein, ich fahre einen Ford Crown Vic.

Und Sie, Herr Schwarzenegger?

Arnold Schwarzenegger: Sehen Sie, ich werde keinen Hund angreifen, der schon am Boden liegt und echt Ärger hat. Das tu ich nicht. Ich hoffe, dass die ihre Probleme lösen und ich hoffe, dass sie Autos bauen, die energieeffizient sind, Elektroautos und Wasserstoffautos, Hybridautos und solche Dinge und dass sie das gut und effizient machen.

VW ist vielleicht auch das kleinste Problem. Wenn Sie von Kalifornien aus nach Europa blicken: Wir haben eine Eurokrise, wir haben viele Flüchtlinge, und über allem steht die Klimakrise. Wie empfinden Sie das aus ihrer Perspektive?

Brown: Die Flüchtlinge sind getrieben von den Unruhen im Nahen Osten. Der Klimawandel selbst wird aber ebenfalls Unruhen verursachen. Ich sehe das also als eine Art Warnung an die Welt, sich jetzt am Riemen zu reißen, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren, damit die Lebensräume erhalten bleiben und die Orte wieder menschenfreundlicher werden. Denn jedes Land kann am Ende nur ein gewisses Maß an Migration bewältigen.

Der Erde droht der Hitzekollaps. Deshalb wollen die Staatschefs der Welt Anfang Dezember in Paris einen globalen Klimaschutz-Vertrag vereinbaren. Die taz berichtete vom 28. November bis zum 14. Dezember 2015 täglich auf vier Seiten in der Zeitung und hier auf taz.de.

Herr Schwarzenegger, in den USA verneint fast jeder Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Ihrer eigenen Partei, den Klimawandel. Wie wollen sie die Republikaner wieder davon überzeugen, dass der Klimawandel eine echte Gefahr ist?

Schwarzenegger: Meine Mission ist es, die ganze Welt zu überzeugen. Das ist wie Fitness zu promoten. Die letzten vierzig Jahre war ich auf einem Fitness-Kreuzzug. Und es hat lange Zeit gedauert, bis die Leute verstanden haben: Ja, du musst jeden Tag deinen Körper bewegen und mit Gewichten trainieren. Zu Beginn sagte natürlich jeder: Das ist alles Humbug, da siehst du dann muskelbepackt aus, bekommst einen Herzinfarkt, das macht dich zum Narzissten und du wirst schwul und so Sachen – aber nach ein paar Jahrzehnten haben wir das überwunden. Und jetzt macht jeder Athlet Krafttraining...

und das ist ein Symbol für den Klimawandel?

Arnold Schwarzenegger war von 2003 bis 2011 Gouverneur Kaliforniens. Als Republikaner wich er dennoch von der Umweltpolitik George W. Bushs ab. So unterzeichnete Schwarzenegger am UN-Umwelttag am 1. Juni 2005 eine Durchführungsverordnung zur Reduzierung der Treibhausgase in seinem Bundesstaat, obwohl die USA das Kyotoprotokoll nicht ratifiziert haben. Heute arbeitet Schwarzenegger wieder als Schauspieler. Zuletzt war er im Film „Terminator: Genisys“ (2015) zu sehen.

Jerry Brown ist Schwarzeneggers Nachfolger als kalifornischer Gouverneur. Der Demokrat hatte bereits von 1975 bis 1983 das Amt inne. Zwischen seinen Amtsperioden war Brown von 1999 bis 2007 Bürgermeister von Oakland sowie von 2007 bis 2011 Attorney General von Kalifornien. Auch er setzt sich für den Umweltschutz ein – 2014 unterzeichnete Brown etwa ein Gesetz zum Verbot von Plastiktüten in Kalifornien.

Schwarzenegger: … es hatte eben überhaupt nichts damit zu tun, ob es etwa ein republikanischer oder ein demokratischer Athlet ist. Das macht keinen Unterschied. Und so ist es jetzt, wir müssen jeden auf dieser Welt überzeugen. Jede Bewegung fängt klein an, es fängt mit einer Graswurzelbewegung an. Wir müssen unsere Botschaft wirklich klar ausdrücken. Und die Botschaft ist immer noch nicht die richtige, weil wir ständig darüber sprechen, was in 20 oder 50 Jahren passieren wird. Wir müssen viel mehr darüber reden, was heute los ist: Dass 19.000 Menschen täglich wegen der Luftverschmutzung sterben, sieben Millionen Opfer jährlich. Die Menschen können sich besser einfühlen in das, was hier und jetzt passiert, denn es geht ums Überleben und weniger um das, was irgendwann später mal los sein wird. Das ist einer der wichtigen Punkte: Ich versuche das große Ganze zu sehen. Allein die Tatsache, dass hier zwei verschiedene Parteien sitzen...

Sie sind Republikaner, Herr Brown Demokrat....

Schwarzenegger: … Ronald Reagan war ein Republikaner und hat sich gekümmert, Gray Davis war ein Demokrat und er hat ebenfalls etwas weitergebracht in Sachen Umweltschutz. Wir sehen das in Kalifornien so: Das ist eine Angelegenheit der Menschen, es geht um uns alle. Wir müssen vorangehen und wir müssen etwas tun, das gut ist für die Menschen in Kalifornien und die Menschen weltweit.

Herr Brown, Sie waren von 1975 bis 1983 Gouverneur in Kalifornien, seit 2011 sind Sie es wieder. Was hat sich seitdem verändert? Sehen Sie, dass wir das Klimaproblem lösen können?

Brown: 1975 hat niemand über den Klimawandel geredet. Das stand schlicht nicht auf der Agenda. Seitdem hat sich viel Sensibilität für das Thema Klima entwickelt, das ist sicher.

Schwarzenegger: Gouverneur Brown hat während seiner ersten Amtszeit die Grundlagen für Wind- und Solarenergie gelegt, ebenso für alternative Treibstoffe, erneuerbare Energien, damals als die Leute noch dachten, das sei total hirnrissig. Ja, Ronald Reagan hat das „Air Resources Board“ (Emissionsschutzbehörde Kaliforniens) gegründet, Richard Nixon die Umweltbehörde EPA. Aber damals ging es um Umweltverschmutzung. Brown hat in die Zukunft geblickt. Und das, was ich mit AB32 gemacht habe, die Verpflichtung, Treibhausgase um 25 Prozent zu reduzieren, all diese Gesetze bauten auf dem Fundament auf, das Brown während seiner ersten Amtszeit gelegt hat. Die Anerkennung gebührt also ihm.

Kalifornien ist ein interessanter Staat. Auf der einen Seite ist das Leben sehr CO2-intensiv. Auf der anderen Seite gibt es viele Maßnahmen gegen den Klimawandel. Glauben Sie wirklich, Sie könnten den American Way of Live aufrecht erhalten und gleichzeitig den Klimawandel bekämpfen?

Brown: Wir müssen unseren Lebensstil ändern. Durch Technologie, Effizienz und Anpassungsfähigkeit werden wir eine höhere Wertschöpfung aus weniger Rohstoffen erreichen. Das können wir durch einen kreativen Einsatz neuer Materialien, wir haben erneuerbare Energien. Wir ändern auch unser Leben, die Menschen leben etwa näher an ihrem Arbeitsplatz. Die Welt wird in 30 Jahren anders aussehen, aber wir werden immer noch eine hoch entwickelte Zivilisation sein.

Der Klimanator: Noch als Gouverneur von Kalifornien gründete Arnold Schwarzenegger die Organisation „Regions of Climate Action“. Dem Bündnis sind weltweit 560 Lokalregierungen, Kommunen und Bundesländer beigetreten, um jenseits der staatlichen Ebene Klimaschutz auf lokaler Ebene voranzubringen. Jerry Brown hat die Initiative „Under2Mou“ mitgegründet, in der sich weltweit Regionen mit 588 Millionen Einwohnern zum Klimaschutz verpflichten, darunter Nordrhein-Westfalen.

Kalifornien: Der US-Bundesstaat ist in den USA Vorreiter im Klimaschutz. Hollywoodstars und Tech-Milliardäre engagieren sich, hier stehen die leistungsstärksten Solarkraftwerke der Welt. Mit Tesla ist einer der führenden Anbieter von Elektrofahrzeugen hier angesiedelt.

Vorbild: Der Bundesstaat hat CO2 als Schadstoff definiert, Arnold Schwarzenegger konnte damit die Senkung des CO2-Ausstoßes in Kalifornien anordnen. Der Oberste Gerichtshof der USA bestätigte dieses Vorgehen 2009 – woraufhin Barack Obama die Strategie übernahm. (ia)

Schwarzenegger: Ich kann Ihnen sagen, es gibt sehr große Veränderungen. Als ich 2003 Gouverneur wurde, hatten gab es das erste Mal Car-Sharing in Los Angeles. Ich habe damals gesagt: lasst uns auch die alternativ angetriebenen Autos anbieten. Es gab damals nur zwei Modelle davon. 2010, in meinem letztes Amtsjahr, gab es 57 Modelle mit alternativen Antrieben. Das zeigt den enormen Fortschritt, den wir seither gemacht haben. Schauen Sie den großen Erfolg von Tesla an und viele andere Autos, die in Kalifornien produziert und gefahren werden. Wir sind ein gutes Beispiel. Wir setzen Steueranreize, wir lassen die Autos auf der Diamond Lane, einer eigenen Spur auf den Highways fahren, um Anreize zu schaffen, weil die alternativen Autos natürlich oft noch teurer sind als normale Wagen. Ich sehe große, große Fortschritte. Die Technik wird uns am Ende retten.

Ein letztes Wort zur Cop21: Bekommen wir ein gutes Abkommen, oder brauchen wir Graswurzelbewegungen von unten um etwas ändern?

Brown: Beides. Das wird eine sehr mächtige Konferenz. Aber es machen auch viele Regionen Klimaschutz.

Schwarzenegger: Der Top-Down-Ansatz ist extrem wichtig, also ganz oben zu verhandeln. Aber trotzdem braucht es auch eine Bewegung von unten. Wenn sich beide treffen haben wir eine kritische Masse. 70 Prozent der tatsächlichen Anstrengungen kommt von unten, 70 Prozent der Reduktion von Treibhausgasen werden von Regionen und Kommunen durchgesetzt – nicht von nationalen Regierungen. Deshalb ist es so wichtig, dass die UN das erste Kommunen, Regionen und Länder mit einbezogen hat. Deshalb hab ich auch unsere Umweltorganisation R20 gegründet. Wir in Kalifornien haben schon immer an die Macht der lokalen Regierungen geglaubt, wir haben noch nie auf die Bundesregierung in Washington gewartet.

Und, werden wir Arnold Schwarzenegger bald in einem Klimawandelfilm sehen?

Schwarzenegger: Na, hoffentlich schreiben Sie das Drehbuch.

Machen wir.

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