Schockwelle am Bosporus: Empörung über Mord an Pippa Bacca
Die Ermordung der italienischen Künstlerin und "Friedensbraut" Pippa Bacca löst Schockwelle am Bosporus aus.
ISTANBUL taz "Wir schämen uns" - "Vergib uns, Pippa" - "Wir sind alle mit Pippa"! Die Schlagzeilen in der türkischen Presse der letzten zwei Tage drücken deutlich aus, wie sehr das Land über den grausamen Mord an der italienischen Künstlerin und Friedensaktivistin Giuseppina Pasqualino di Marineo geschockt ist. Die Leiche der 33-jährigen Frau war am Samstag in einem Wald bei Gebze, etwa 50 km nordöstlich von Istanbul, gefunden.
Guiseppina di Marineo, die sich Pippa Bacca nannte, war am Dienstag vor einer Woche zuletzt gesehen worden. An diesem Tag brach sie in Gebze auf, um ihre Friedensfahrt nach Jerusalem fortzusetzen. Pippa Bacca war am 8. März gemeinsam mit einer Freundin in Mailand unter dem Motto "Bräute auf Friedenstour" in Mailand gestartet. In weißen Brautkleidern wollten die beiden Frauen auf ihrer Tour für Frieden im Nahen Osten werben. In Istanbul hatten sie sich getrennt, um sich später in Jerusalem wiederzutreffen.
Als Pippa Bacca dann am letzten Dienstag verschwand, begann die Polizei nach der Verschwundenen zu suchen. Am Freitag kam sie einem Lkw-Fahrer auf die Spur, weil dieser das Handy von Pippa Bacca benutzte. Der Mann gestand angeblich, die Frau vergewaltigt und ermordet zu haben. Der Mord an dieser "Friedensbraut" aus Italien hat eine regelrechte Schockwelle in der Türkei ausgelöst.
Ministerpräsident Tayyip Erdogan sagte: "Ich kann kaum die richtigen Worte finden, um diesen grauenhaften Mord zu beschreiben. Wir sind sehr traurig und drücken ihrer Familie unser Mitgefühl aus." Die Frauenvereinigung der Sozialdemokraten hat vor dem italienischen Konsulat in Istanbul einen Stand aufgebaut, wo man sich in ein Kondolenzbuch eintragen kann. Der Bürgermeister von Gebze, Ibrahim Pehlivan, will mit einer Delegation nach Italien fliegen und der Familie von Pippa direkt das Beileid der Bürger von Gebze ausdrücken. Während der Kundgebung wurde aber nicht nur Pippa Bacca verabschiedet, sondern auch die weit verbreitete Gewalt gegen Frauen verurteilt.
Laut Statistik wird jede dritte Frau in der Türkei Opfer von Gewalttaten. Mehrere feministische Vereinigungen gingen deshalb gestern in Ankara noch einmal zu einer Demonstration gegen Gewalt auf die Straße. Die Frauen hatten sich weiße, mit Blut beschmierte Laken umgebunden. JÜRGEN GOTTSCHLICH
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