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Schneeballschlacht zu viertStell dir vor, es ist Krieg, und kei­ne*r geht hin

Bremen ruft auf, die offenen Fragen im Schneeball-Handgemenge zu klären. Unsere Autorin ist dabei … und noch ungefähr drei andere Leute.

E s hätte so schön sein können. „Mal wieder Schnee in Bremen, das sollten wir nutzen, für Auspowern und Fun, deswegen: Herzliche Einladung zur ersten selbst organisierten Schneeballschlacht im Leibnizpark!“, heißt es in einer Nachricht, die durch alle möglichen Gruppen geht. Und: „Fair Play (kein Eis, keine Steine, keine Nazis).“

Aber dann musste Bremen mal wieder beweisen, dass diese Stadt einfach nicht mit Schnee umgehen kann. Andere Städte, die hatten tatsächlich „Auspowern und Fun“. Leipzig zum Beispiel: „Massen-Schneeballschlacht führt zu Polizeieinsatz“, schreibt eine Zeitung. Oder Winterberg: „Kurioser Polizeieinsatz: Massenschlägerei ist nur Schneeballschlacht“. Bremen dagegen: schlecht gelaunte Norddeutsche, ausfallender Nahverkehr und ein verschlafener Park.

Es ist 17.05 Uhr, und weit und breit kein einziger Schneeball in Sicht. Hier und da nur die kleinen Hinterlassenschaften der Kinder, die langsam nach Hause müssen: ein zusammengefallener Schneemann, der Versuch eines Iglus, ein verlorener Handschuh. Die hatten wenigstens Spaß. Für Kinder bedeutet Schnee auch in Bremen noch Schlittenfahren, Schneemannbauen, im besten Fall sogar Schulausfall.

„Wollt ihr auch zur Schneeballschlacht?“ Zwei Männer stehen genauso verloren wie wir im Park herum: schwarze Kleidung, warme Handschuhe, dicke Mützen. Jetzt sind wir immerhin zu viert. Gemeinsam suchen wir nach Leipziger oder Winterberger Verhältnissen, finden aber nur ein paar letzte Kleinkinder, die einen Hügel hinunterrodeln.

„Immer diese Scheißautonomen mit ihren unkonkreten Ansagen“, flucht der eine, der vermutlich längst etwas völlig anderes ist. Post-autonom oder so. Aber er hat recht: Der Park ist riesig. Ich hatte irgendwie erwartet, dass Jugendliche hinter der Einladung stecken, keine Autonomen. Aber in Bremen ist das manchmal auch verwirrend. Vielleicht waren es autonome Jugendliche. Wir laufen weiter. „Ich rufe noch mal an und frage nach.“ Zwei Telefonate, zwei unverlässliche Quellen später wissen wir immer noch nicht, wo genau das „Auspowern und Fun“ stattfinden soll.

Es dämmert. Zwischen den Bäumen steht eine Frau, die beiden Männer kennen sie. Sie telefoniert, steht mit dem Rücken zu uns. Sie hat keine Chance. Die beiden kichern, formen Schneebälle, pirschen sich an. Plötzlich dreht sich die Frau um: Sie ist es doch nicht. Verwirrt starrt sie auf die zwei fremden erwachsenen Männer, die mit mehreren Schneebällen in der Hand vor ihr stehen. Wir gehen schnell weiter.

Na gut, dann machen wir es eben selbst: zwei gegen zwei

Es ist inzwischen 17.15 Uhr. Die Zeit rennt uns davon, gleich ist doch schon Abpfiff! Na gut, dann machen wir es eben selbst: zwei gegen zwei. Wobei an dieser Stelle vermutlich erwähnt werden sollte, dass es sich um drei Erwachsene und ein Kleinkind handelt. Also eher zwei gegen anderthalb. Aber Kleinkinder sollte man nicht unterschätzen, wenn es um Schneebälle geht. Außerdem tragen sie die bessere Funktionskleidung.

Der Schnee hat die perfekte Schneeballkonsistenz: weich, trocken, mit etwas Druck zu einer steinharten Eiskugel formbar. Aber es hieß ja „Fair Play“, und hier spielt immer noch ein Kleinkind mit. Also bleiben wir bei lockeren Schneebällen, die eher nach Watte aussehen als nach Munition. Ein paar Schneebälle fliegen durch die Luft, wir treffen nicht, haben trotzdem Spaß. Lange halten wir nicht durch. Es wird dunkel, es wird kalt, und außer dem Kleinkind hat bald niemand mehr Lust.

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„Ich werf’ auf dem Nachhauseweg noch eben das Haus des Verfassungsschutzchefs mit Schneebällen ab!“ Der Mann formt sich ein paar gute Schneebälle und macht sich auf den Weg. Sehr viel Spontanität für einen Post-Autonomen. Wir gehen lieber nach Hause. Auf dem Weg kommt eine Nachricht: „Ihr seid im falschen Park! Wir waren hier zu dritt …“ Mist.

Aber nächstes Jahr, wenn wieder Schnee fällt – also falls –, wird vielleicht wieder eine Nachricht durch alle möglichen Gruppen gehen. Mit strenger Uhrzeit, vager Ortsbeschreibung und Fair-Play-Regeln. Und vielleicht klappt es dann. Oder auch nicht. Scheiß-Autonome halt.

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