piwik no script img

Schlag gegen baskische ETAMilitärchef festgenommen

Die französische Polizei nahm den Militärchef und drei weitere Mitglieder der baskischen Untergrundorganisation ETA fest. Sie hatten sich ein Ferienhaus nahe der belgischen Grenze gemietet.

PARIS/MADRID afp | In einem Ferienhaus in der Grenzregion zu Belgien hat die französische Polizei den Militärchef der baskischen Untergrundorganisation ETA festgenommen. Neben Alejandro Zobarán Arriola seien der Logistik-Chef Mikel Oroz Torrea und zwei weitere ETA-Mitglieder verhaftet worden, teilte das spanische Innenministerium am Freitag mit. Die Gruppe hatte sich ein Ferienhaus in dem Hundert-Einwohner-Ort Willencourt gemietet.

Die vier Männer, die sich als Studenten ausgaben, waren den Nachbarn in dem kleinen Ort aufgefallen, wo im Frühjahr kaum jemand Urlaub macht. "Diese Leute waren verdächtig. Sie sprachen nichts und sie gingen abends nicht aus dem Haus", berichtete der Mann, der die Behörden auf die Gruppe aufmerksam gemacht hatte. Vor allem habe ihn stutzig gemacht, dass die Männer ihr Ferienhaus, das sie vor zwei Wochen anmieteten, mit 500-Euro-Scheinen bezahlten.

Die Polizei beobachtete daraufhin das Ferienhaus und schlug dann am Donnerstagabend zu, als alle vier Männer im Haus waren. Die Polizei fand bei ihnen Schusswaffen, falsche Papiere und zwei gestohlene Autos.

Die französischen Ermittler zeigten sich verwundert darüber, dass die ETA nicht wie sonst üblich in Südfrankreich Zuschlupf suchte. "Das versteht man nicht. In Toulouse wären vier Spanier viel weniger aufgefallen, als hier im Norden", sagte einer von ihnen.

Der knapp 30-jährige Zobarán führte erst seit Mai 2010 den militärischen Apparat der ETA, sein Vorgänger Mikel Karrera Sarobe war im südwestfranzösischen Bayonne festgenommen worden. Zobarán wäre das sechste Führungsmitglied der ETA, das binnen zwei Jahren verhaftet wurde.

Seit einigen Jahren haben Frankreich und Spanien die Zusammenarbeit bei der Fahndung nach ETA-Mitgliedern verstärkt. Anfang des Jahres hatte die ETA einen Waffenstillstand erklärt, der aber von der Regierung in Madrid als unzureichend zurückgewiesen wurde. Seit August 2009 hat die Untergrundorganisation in Spanien keinen Anschlag mehr verübt.

Die von der Europäischen Union und den USA als Terrororganisation eingestufte ETA versucht seit mehr als vier Jahrzehnten, die Unabhängigkeit des Baskenlandes in Nordspanien und Südfrankreich zu erzwingen. Sie wird für den Tod von fast 830 Menschen verantwortlich gemacht.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 180 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • S
    Sondermann

    Weiter so, Sarko!

     

    Ich sehe die ETA-Verhaftungen im Zusammenhang mit der Anerkennung der libyschen Opposition durch Prémier Sarkozy. Denn bisher hat es sich Gaddafi erlauben können, die ETA zu finanzieren; auch über Frankreich.

     

    Jeder Schlag gegen den Terror ist eine gute Nachricht.