Schaukeln im Berliner Mauerpark: Nett, aber auch ein bisschen glatt

In der Fläche fast verdoppelt, mit neuem Grün also mächtig zugelegt. Deswegen aber muss man den neuen Mauerpark nicht gleich gern haben.

Schaukeln im neu erweiterten Berliner Mauerpark

Da geht schon was auch für ältere Kinder im neuen Mauerpark Foto: dpa

BERLIN taz | Der Mauerpark in Prenzlauer Berg war schon immer eine etwas absurde Angelegenheit: eigentlich furchtbar hässlich. Nichts weiter als eine kopfsteingepflasterte, staubige Piste durch ein im Sommer stets sonnenverbranntes und im Winter immer schlammiges Grasviereck. Oben, auf dem Hügel am Jahnsportpark, steht die Wand für die Graffitisprayer, daneben kaputte Kinderschaukeln. Und zu Füßen des Hügels, im Amphitheater genannten Steinrund, immer sonntags die Freestyle-Poeten, die für die FlohmarkttouristInnen ein bisschen Berlinfeeling performen.

Die Kulisse für diese Theater leicht vermüllt, Einweggrills und Plastiktüten in struppigen Büschen. Eine Art Parkdystopie. Und deshalb eigentlich voll Berlin. Jedenfalls das Berlin der nuller Jahre, bisschen schäbig, aber auch eine ganz geile Party: Das ist eine Idee, die im Mauerpark vielleicht mehr als sonst wo in Berlin zum Klischee geronnen ist.

Das denke ich so, als ich im Park mit den Kindern auf den neuen, nicht kaputten Schaukeln sitze und hoch und höher schwinge, bis der Grünstreifen unter mir wegzufliegen scheint: Dieses neue Grün, der Streifen ist in etwa nochmal genauso breit wie das alte Parkrechteck und liegt direkt daneben, nennt sich auch Mauerpark – klar, ist ja nur die Erweiterung des alten. Aber was die landeseigene Grün Berlin GmbH da vor Kurzem dem Publikum freigegeben hat zum Bespielen und Beschaukeln, ist eine Art Anti-Entwurf zum alten Viereck, siehe oben.

Da gibt’s einen Spielplatz, den sogar der 10-Jährige noch nicht komplett langweilig findet. Ganz sauber ist der Sand. Schöne Menschen kommen aus Richtung Prenzlauer Berg und Mitte in den Park spaziert und flanieren mit ihren auf dem Flohmarkt zu teuer gekauften Lampenschirmen einmal ums Rondell, bevor sie irgendwo ein angesagtes Eis essen gehen. Aus der anderen Richtung, der Mauerpark grenzt auch an Wedding, kommen am Wochenende türkisch- und arabischstämmige Familien – und ja, das ist schon hübsch anzuschauen, von der Schaukel aus, wie da alles scheinbar zusammenkommt. Am Ende aber geht jeder wieder durch seinen Parkausgang zurück.

Und noch ein anderer Gedanke auf der Schaukel: Wenn ich mir so die hübsch gemachte Version des Mauerparks angucke und ein bisschen die Augen zusammenkneife, sodass ich die Graffitiwand nicht mehr sehe, dann könnte ich gerade genauso gut im Kreuzberger Gleisdreieckpark schaukeln.

Den managt auch die Grün Berlin GmbH, von daher ist das wahrscheinlich kein Zufall, und man kann nun überhaupt nicht sagen, dass die LandschaftsarchitektInnen bei Grün Berlin keinen Geschmack hätten oder ihr Handwerk nicht verstünden, im Gegenteil. Aber es ist ein bisschen so wie mit dem Südkreuz, dem Ostkreuz und all den anderen in den letzten Jahren gebauten Bahnhöfen: nett, aber auch ein bisschen glatt. Was wiederum zu der Stadt und wie sie sich verändert hat seit den nuller Jahren, passt.

Der alte Mauerpark war hässlich und wurde geliebt. Der neue Mauerpark ist schön. Ob ich ihn gerne habe, weiß ich noch nicht.

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