piwik no script img

Saskia Ludwig tritt zurückDas Vertrauen entzogen

Brandenburgs CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzende Saskia Ludwig legt beide Ämter nieder. 14 von 19 Abgeordneten hatten ihr vorher das Vertrauen entzogen.

BERLIN taz | Brandenburgs CDU-Chefin und -Fraktionsvorsitzende Saskia Ludwig hat ihren Rücktritt erklärt. Der Fraktionsvorstand hatte ihr am Montag das Vertrauen entzogen und sie aufgefordert, zurückzutreten.

Die 44-Jährige war in die Kritik geraten, weil sie ihre Partei im rot-rot regierten Brandenburg immer weiter isoliert hatte. Zuletzt hatte sie in einem Beitrag für die Junge Freiheit den früheren CDU-Chef Jörg Schönbohm gewürdigt in seinem „unerbittlichen Kampf gegen die Täter der SED-Diktatur, die bis heute an den Hebeln der Macht sitzen“. Zudem hatte sie behauptet, „ein Teil der märkischen Berichterstatter habe geflissentlich verschwiegen, welche Meinungsmanipulationsmaschine sie täglich angeworfen haben und zum Teil mit Order aus der SPD-Staatskanzlei bedienen mussten, um Schönbohms Integrität systematisch zu beschädigen“. Ludwigs Parteifreunde reagierten entsetzt und distanzierten sich teils öffentlich. In Brandenburg wird in zwei Jahren ein neuer Landtag gewählt.

Nachfolger der Potsdamerin soll Vizefraktionschef Dieter Dombrowski werden. Er kritisierte, bei Ludwig hätte statt der Landespolitik eher die ganz große Politik im Vordergrund gestanden. Dombrowski sagte: „Zuerst Brandenburg, und dann alles andere.“

Der 61-Jährige, der in den Siebzigerjahren wegen versuchter Republikflucht 20 Monate in DDR-Gefängnissen verbringen musste, gilt als engagierter Kritiker der rot-roten Landesregierung. Als 2009 SPD-Ministerpräsident Matthias Platzeck vereidigt wurde, erschien er im Plenum demonstrativ in seiner Häftlingskluft.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

2 Kommentare

 / 
  • C
    Carsten

    Was ich mich frage: Wer soll so eine sozialdemokratisierte, Rotlicht-bestrahlte CDU eigentlich wählen, wenn die Leute auch gleich das Original in Gestalt von SPD/Grünen/SED haben können? Diese CDU-Strategie neuer linker Wählerschichten wird niemals aufgehen, stattdessen mobben sie die besten Leute raus und vergrätzen die letzten Stammwähler. Was für Idioten!

  • R
    RudiRatlos

    Das halte ich für keinen wirklich großen Verlust. Über die in den letzten 2 Wochen zu lesenden Aktivitäten der Frau Ludwig hab ich mir manches Mal die Augen gerieben und mich gefragt, wo diese Frau eigentlich die letzten 20 Jahre gelebt hat, dass sie zu solch extremen Ansichten tendiert.