Rücktritt von Trump-Beraterin Conway: Family first

Beraterin Kellyanne Conway half Trump ins Weiße Haus und prägte den Begriff „alternative Fakten“. Nun gibt sie ihren Job auf.

Kellyanne Conqay schaut nach unten

Hat noch einen Auftritt auf dem Parteitag, dann ist sie weg: Kellyanne Conway Foto: Andrew Harnik/ap

BERLIN taz | Seit Kellyanne Conway im Sommer 2016 zur leitenden Wahlkampfmanagerin des damaligen US-Präsidentschaftskandidaten wurde, hat sie den engeren Zirkel um Donald Trump nicht mehr verlassen.

Conway ist eine der wenigen, die nicht im Lauf von Trumps Präsidentschaft entweder ausgetauscht wurden oder sich selbst angewidert zurückzogen. Bis zum Sonntag: Da gab die 53-Jährige bekannt, zum Ende August ihre Tätigkeit als Beraterin Trumps aufzugeben: Sie müsse sich um ihre Familie kümmern, insbesondere um ihre Kinder.

Vorausgegangen waren Tweets ihrer 15-jährigen Tochter Claudia, die ihr vorwarf, als Mutter zu versagen und die Familie zugunsten der politischen Karriere zu vernachlässigen. Ihr Mann George Conway ist wie sie Republikaner, gehört aber zu den Gründern des Lincoln Projects, einer Lobbygruppe, die innerhalb der Republikaner*innen gegen Trump kämpft. Das gegensätzliche Paar war immer wieder Gegenstand von Medienberichten.

Conways berühmtestes Zitat hat längst Ewigkeitswert: „Alternative Fakten“ seien es eben, die Trumps erster Pressesprecher Sean Spicer der Öffentlichkeit präsentiere, als er – wie Trump selbst – behauptete, bei dessen Amtseinführungsfeier seien so viele Menschen zusammengekommen wie noch nie zuvor in der US-Geschichte. Dabei zeigten Luftbilder mehr als eindeutig, dass Trump nicht annähernd an die Zahlen von Barack Obamas erster Amtseinführung acht Jahre zuvor herangekommen war.

Wie geschaffen für Trump

Conway war lange Zeit das prägende Gesicht des inneren Zirkels von Trump, und sie, die sie nicht als Politikerin, sondern als Umfrage-Expertin zunächst zur Wahlkampfmanagerin und dann zur persönlichen Beraterin im Weißen Haus aufgestiegen war, erklärte Trumps Politik in allen Fernsehkanälen. Dabei brachte sie die interviewenden Journalist*innen regelmäßig zur Verzweiflung, weil sie kaum irgendeine Frage beantwortete.

Der Sender Vox erfand dafür das Wort „conwayen“ – Conway pickte sich aus der Frage irgendein Versatzstück heraus, einen Gedanken oder auch nur ein Wort, wiederholte den und sprach über etwas ganz anderes. Und wenn die Journalist*innen hartnäckig blieben und die gleiche Frage wiederholten, wiederholte sie den gleichen Prozess mit einem neuen Thema, so lange, bis die Interviewer*innen entnervt aufgaben und von sich aus das Thema wechselten.

Kellyanne Conway war genau die Sprecherin, die Trump brauchte, weil sie, ohne je die Contenance zu verlieren und meist noch mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen, auch die größten Lügen und Unverschämtheiten des Präsidenten einfach weg-conwayte.

Über ihre weiteren Pläne wollte Conway zunächst nichts sagen, jetzt gehe die Familie erst einmal vor. Auch ihr Mann zieht sich vom Lincoln Project zurück, um sich den Kindern zu widmen. Einen großen Auftritt wird Kellyanne Conway allerdings noch haben: Am Mittwoch spricht sie beim republikanischen Parteitag.

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