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Rücktritt von Sheikh Hasina Hoffen auf eine echte Alternative

Lalon Sander

Kommentar von

Lalon Sander

Bangladeschs Premierministerin ist hastig aus dem Land geflohen und hat ein Machtvakuum hinterlassen. Schafft die Protestbewegung, es zu füllen?

A m Ende ging alles ziemlich schnell. Die geschasste Premierministerin Bangladeschs, Sheikh Hasina, wollte eigentlich noch eine Abschiedsbotschaft aufnehmen, bevor sie sich ins Ausland absetzte, doch ihr fehlte die Zeit. Am frühen Nachmittag startete ihr Flieger nach Indien – schon wenig später hieß es, ihre offizielle Residenz sei von Protestierenden umzingelt.

Vor noch wenigen Wochen wären solche Meldungen undenkbar gewesen. Sheikh Hasina und ihre Partei, die Awami-Liga, sind seit fast 16 Jahren an der Macht und haben in dieser Zeit die Opposition größtenteils ausgeschaltet und fast alle Bereiche der Gesellschaft durchdrungen. Eine Forderung nach ihrem Rücktritt klang lächerlich.

Diese Arroganz spürte man nicht zuletzt von Hasinas Regierung, die breite Proteste gegen sie selbst begünstigende Quoten bei Regierungsjobs durch die Polizei niederschlagen ließ. Hunderte starben dabei, Tausende wurden verletzt und es gab Massenverhaftungen. Aus den Protesten wurde so eine allgemeine Bewegung gegen die seit Jahren immer autokratischer werdende Regierung. Dabei schafften es die Protestierenden, eine Vereinnahmung durch die Oppositionsparteien zu vermeiden. Zuletzt stellten sie nur eine Forderung: Hasinas Rücktritt.

Diese ist erfüllt und nun ist vieles offen. Am Montag gab der Militärchef bekannt, dass es eine Interimsregierung unter Beteiligung von gesellschaftlichen Akteuren und Parteien – außer der Awami-Liga – geben werde. Auch Gespräche mit Studierenden seien geplant. Nur was steht am Ende des Interims?

Es ist unwahrscheinlich, dass das Militär selbst die Regierung übernehmen will: Dieses versucht in der Regel den Anschein direkter politischer Einflussnahme zu vermeiden. Es dürfte sogar das Vertrauen in der Bevölkerung haben, für eine vorläufige neutrale Ordnung zu sorgen.

Die Macht könnte zurück an die verzwergte Oppositionspartei BNP schwingen – doch zum Ende ihrer letzten Regierungsphase 2006 war diese ähnlich korrupt und autokratisch wie jetzt die Awami-Liga. Für viele Bangladeschis sind inzwischen beide Parteien untragbar geworden, und so wird die entscheidende Frage sein, wer sich in den nächsten Wochen am schnellsten organisieren kann.

Die Studierenden, von denen die Proteste ausgingen, dürften noch kein politisches Gesamtprogramm vorbereitet haben und zu unstrukturiert sein, um so schnell eine glaubwürdige politische Alternative anbieten zu können. Oder doch? In wenigen Wochen kann vieles denkbar sein, das heute noch unmöglich erscheint.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Lalon Sander

Lalon Sander Datenjournalist

Lalon Sander ist Datenjournalist. Sein Schwerpunkt liegt in der Aufbereitung von Datensätzen zum Klimawandel.
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3 Kommentare

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  • Strolch

    „Die Revolution frisst ihre Kinder.“

    Die wenigen Ausnahmen in der Geschichte lassen nicht unbedingt etwas Gutes hoffen.

  • Philippo1000

    Die Flucht der Regierungschefin grenzt an ein Wunder.



    Es ist ebenfalls ein Hoffnungsschimmer, dass das Militär ehrlich bemüht scheint, hier eine noch zu bildene Übergangsregierung zu stützen. Angekündigte Haftentlassungen von Oppositionellen und Demonstranten nähren diese Hoffnung.



    Es wäre zu wünschen, dass so ein Ende der Gewalt möglich wird, und eine gute Nachricht an Tagen, die derzeit in so vielen Regionen von Gewalt überschattet werden.

  • Land of plenty

    Aus dem Arabischen gibt es auch die Beugung als weibliche Form "Sheikha". So wie Sheikha Remitti, die Mutter des Musikstils Rai.