Rinderklau in Brandenburg: Soko Weide am Start
Rinderdiebstähle besorgen Brandenburgs Bauern weiterhin. Nun hat die Polizei eine Sonderkommission eingerichtet. Innenminister und Agrarministerin vor Ort.
Die Ermittlungsgruppe „Weide“ soll es richten. Wie eine Sprecherin des Brandenburger Polizeipräsidiums am Freitag zur taz sagte, besteht der feste Kern der nunmehr eingerichteten Sonderermittlungsgruppe aus vier Beamtinnen und Beamten, zusätzliche Kräfte würden bei Bedarf hinzugezogen. Ausgewertet werden sollen alle Spuren an den vier Tatorten, auch mit Blick darauf, ob es Überschneidungen gibt.
Mysteriöse Rinder-Diebstähle besorgen seit März Brandenburgs Bauern und halten die Polizei in Atem. Beim Besuch eines vom Viehdiebstahl betroffenen Agrarbetriebs in Herzberg (Elbe-Elster-Kreis) kündigte Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) am Freitag weitere Maßnahmen an. Ende April hatten Unbekannte dort 70 Rinder gestohlen.
Die Polizei werde Viehtransporte nachts und am frühen Morgen kontrollieren, „um künftige Diebstähle dieser Größenordnung möglicherweise auf frischer Tat auch aufklären zu können“. Zudem gebe es mit der polnischen Polizei einen Austausch, um in der Grenzregion Viehtransporte in den Blick zu nehmen.
Redmann sagte, möglicherweise habe sich eine Tätergruppe in Osteuropa oder sogar auch außerhalb der EU darauf spezialisiert, diese Taten zu begehen. Man habe die Sorge, dass noch weitere Taten dazukommen.
Alle vier Tatkomplexe, bei denen insgesamt 233 Rinder gestohlen wurden, fanden in Süd-Brandenburg statt. Die Taten geschahen stets in der Nacht, die Tiere waren sowohl auf der Weide als auch im Stall. Redmann bezifferte den Gesamtschaden auf 337.000 Euro.„Man sieht, das ist eine Größenordnung, die für die einzelnen Betriebe existenzgefährdend wird.“
Nach Angaben der Polizeisprecherin handelt sich ausschließlich um Rinder. „Kühe sind nicht betroffen.“ Spekulationen über das Tatmotiv stelle die Polizei nicht an. Betroffene Landwirte hätten gegenüber den Ermittlern allerdings die Vermutung geäußert, dass die Tiere möglicherweise zur Zucht weiterverkauft werden sollten, weil auch viele Jungtiere darunter waren.
Polizeipräsident Oliver Stepien sprach von keinen leichten Ermittlungen. Die Polizei sei im Gespräch mit den Agrarbetrieben, wie sie den Schutz vor Viehdieben erhöhen könnten. Natürlich sei es unmöglich, jede Koppel in Brandenburg mit einem Streifenwagen zu versehen, sagte Redmann.
Agrarministerin Hanka Mittelstädt (SPD) sagte bei dem Ortstermin, es sei davon auszugehen, dass die gestohlenen Tiere weiterhin zur Zucht genutzt werden sollen oder auch in die Schlachtung gingen.
Vor rund zehn Jahren hatte es in Brandenburg bereits eine größere Serie von Viehdiebstählen gegeben. (mit dpa)
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