Rechte Gewalt in Deutschland: Heim unter Wasser

In Thüringen haben Unbekannte ein geplantes Flüchtlingsheim unter Wasser gesetzt. In Dresden griffen mutmaßlich Rechte ein linkes Hausprojekt an.

Brandspuren und eine beschädigte Scheibe am Hintereingang einer leerstehenden Schule in Dresden

Über 60 Brände hat es dieses Jahr in Flüchtlingsunterkünften oder geplanten Heimen bereits gegeben – hier eine leerstehende Schule in Dresden. Foto: dpa

BERLIN dpa/taz | Die Serie mutmaßlich rechter Anschläge in Deutschland reißt nicht ab. In Thüringen wurde am Montag eine geplante Flüchtlingsunterkunft beschädigt: Unbekannte stellten sie unter Wasser. Betroffen ist nach Angaben des Landratsamtes ein Plattenbau mit insgesamt 17 Wohnungen, den der Kreis von einem privaten Eigentümer angemietet hatte. Die Kreisverwaltung erstattete Anzeige. Der Fall reiht sich in eine ganze Serie von Anschlägen in Thüringen ein.

Die mutmaßlich rechtsradikal motivierte Gewalt richtet sich indes nicht nur gegen Flüchtlinge und ihre Unterkünfte, sondern auch gegen jene Menschen, die Flüchtlinge unterstützen wollen.

So wurde ein linkes Wohnprojekt in Dresden von mehreren Vermummten angegriffen. Diese warfen mit Steinen und Böllern auf das Wohnhaus und zerstörten dabei Fensterscheiben. Die Bewohner des Hauses, von denen alle unverletzt blieben, hatten sich zuvor für Flüchtlinge engagiert, weshalb die Ermittler eine politisch motivierte Tat nicht ausschließen.

Es ist derweil noch unklar, ob zwischen diesem Angriff ein Zusammenhang besteht mit der gewaltsamen Verletzung eines 37-Jährigen, der mit anderen Personen eine Turnhalle blockiert hatte. Die Gruppe wollte mit der Blockade den Einzug von Flüchtlingen verhindern. Der 37-Jährige, dem in der Nacht das Schlüsselbein gebrochen wurde, musste ambulant ins Krankenhaus gebracht werden.

Vor dem Hintergrund dieser Gewaltfälle sind auch verbale Drohungen ernst zu nehmen. Auf einen Container in der Leipziger Innenstadt wurde ein Galgen gemalt, neben dem zu lesen ist: „OB Jung wir kriegen Dich“. Gemeint ist damit offenbar Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Die Identität der Täter konnte auch in diesem Fall noch nicht ermittelt werden. Doch das Bild des Galgens erinnert an die Pegida-Demo, an dem Protestierende nachgebaute Galgen trugen, auf denen die Namen von Angela Merkel und Sigmar Gabriel standen.

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