Reality-Star gegen soziale Medien: Kim Kardashians Beauty-Boykott

Die TV-Ikone hat am Mittwoch Instagram boykottiert, um gegen Hassrede zu demonstrieren. Doch um etwas zu ändern, müsste sie ihren Account löschen.

Portrait von Kim Kardashian

Wenig glaubwürdig: Kim Kardashian hat für einen ganzen Tag ihren Instagram-Account boykottiert Foto: Willy Sanjuan/ap

Normalerweise ist der Instagram-Account von Kim Kardashian voller Selfies – aus dem Alltag, vom Urlaub, mit der Familie. Doch am Mittwoch war es ungewöhnlich ruhig, bloß eine schnöde Grafik mit dem Titel „Stop Hate“ bekamen ihre rund 185 Millionen Follower*innen zu sehen.

Um gegen Hass und Desinformationen auf Facebook und Instagram zu protestieren, haben Kardashian, Leonardo DiCaprio und andere Promis die Plattformen boykottiert – für 24 Stunden. „Ich kann nicht zusehen, wie diese Plattformen weiterhin die Verbreitung von Hass, Propaganda und Fehlinformationen ermöglichen“, schrieb Kardashian. Sie rief ihre Follower*innen dazu auf, ihrem Vorbild zu folgen. Aber was soll eine kurze Instagram-Pause gegen Hate Speech bewirken?

Eine ganze Menge, wenn es nach der NGO Anti-Defamation-League geht. Der Boykott ist Teil der Kampagne „Stop Hate for Profit“, die fordert, konsequent etwa gegen rassistische und antisemitische Gruppen in sozialen Medien vorzugehen. Dieses Ziel soll mit wirtschaftlichem Druck erreicht werden. Bereits im Juni nahmen große Werbepartner wie Starbucks die Aktion zum Anlass, keine Anzeigen mehr zu schalten. Facebookchef Mark Zuckerberg kündigte daraufhin erste zaghafte Moderationsschritte an.

Nun wirkt es wenig glaubwürdig, wenn Kardashian und andere zum Boykott für ein Produkt aufrufen, das sie nach 24 Stunden selbst wieder ausgiebig nutzen. Werbekund*innen wird sie mit dem Mini-Boykott nicht erschrecken und Facebook auch nicht zum Einlenken zwingen.

Influencer*innen könnten Facebooks Geschäft schädigen

Dabei hätten Influencer*innen wie Kim Kardashian die Macht, dem Konzern zu schaden. So schaffte es ihre Halbschwester Kylie Jenner 2018 mit einem Tweet, den Börsenwert von Snapchat um 1,3 Milliarden US-Dollar fallen zu lassen. War der Grund damals ein trivialer – ihr gefiel das neue Layout der App nicht –, wäre ein gemeinsamer Boykott der sozialen Medien gegen Hassrede ein wichtiges gesellschaftliches Zeichen im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl.

Doch dafür müssten die Influencer*innen viel weitergehen als bisher. So könnten sie ihre Accounts für mindestens ein Jahr deaktivieren oder gleich ganz löschen und mit wegbrechenden User*innenzahlen Facebook ökonomisch weiter unter Druck setzen. Denn damit sich etwas ändert, muss man Facebook richtig wehtun.

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