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Radio aus migrantischer SichtDie Ungehörten hörbar machen

Radio Migrant widmet sich in mehreren Folgen der Perspektive von (Ar­beits-)­Mi­gran­t*in­nen. Und zeigt, wie sie sich gegen Diskriminierung wehren.

Refat Süleyman war am 14. Oktober 2022 auf dem Firmengelände von Thyssenkrupp-Steel in Duisburg-Bruckhausen spurlos verschwunden. Drei Tage später wurde die Leiche des 26-jährigen Familienvaters in einem Schlammbecken auf dem Werksgelände gefunden. Der aus Bulgarien stammende Mann war als Leiharbeiter für Reinigungsarbeiten eingesetzt. Der tödliche Arbeitsunfall sorgte unter seinen Ar­beits­kol­le­g*in­nen für Trauer und Empörung. Sie organisierten Kundgebungen für besseren Arbeitsschutz und für eine Entschädigung von Süleymans Angehörigen.

Darüber erfahren wir ausführlich in der 3. Folge des Podcasts Radio Migrant. Sie beschäftigt sich knapp eine Stunde unter dem Titel „Wenn die Arbeit unsichtbar bleibt“ über die Situation von meist migrantischen Beschäftigten in der Reinigungsbranche.

Das von der Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützte Projekt Radio Migrant widmet sich dem Thema Arbeitsmigration im Ruhrgebiet aus einer besonderen Perspektive. Mittlerweile gibt es drei Podcasts, die u. a. über die dortige Entrechtung von Ar­beits­mi­gran­t*in­nen oder über den Widerstand der Betroffenen berichten.

Die meist aus Osteuropa stammenden Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben ins Ruhrgebiet ziehen, werden nicht wie in großen Teilen der konservativen Medien als potenzielle Be­trü­ge­r*in­nen diffamiert, die in die deutschen Sozialsysteme einwandern wollen. Sie werden auch nicht, wie in manchen liberalen Kreisen der Fall, als wehrlose Opfer behandelt, denen geholfen werden muss. In den drei Folgen von Radio Migrant kommen die Ar­beits­mi­gran­t*in­nen und ihre Un­ter­stüt­ze­r*in­nen selbst zu Wort. Es werden immer wieder Beispiele genannt, wie sie sich gegen ihre Diskriminierung zur Wehr setzen. Die Kundgebungen nach dem Tod von Refat Süleyman sind nur ein Beispiel.

Ausgehebelte Mie­te­r*in­nen­rech­te

In der ersten Folge erfahren wir unter der Überschrift „Regierung durch Verdrängung“ davon, wie in vielen Städten im Ruhrgebiet migrantische Mie­te­r*in­nen rechtlos gemacht werden. Obwohl sie gültige Mietverträge besitzen, sollen sie gezwungen werden, ihre Wohnungen oft in kürzester Frist zu verlassen. Das Stichwort Schrottimmobilien liefert in der Öffentlichkeit die nötige Begleitmusik zu dieser Aushebelung von Mieter*innenrechten. Auch in dieser Folge erfahren wir, wie sich betroffene Mie­te­r*in­nen erfolgreich gegen ihre drohende Zwangsräumung wehrten.

Die zweite Folge von Radio Migrant widmet sich der Konstruktion von sogenanntem Sozialbetrug. Hier kommen Betroffene zu Wort, die viele Jahre im Ruhrgebiet gearbeitet haben und deren Anträge auf Sozialhilfe über längere Zeit abgelehnt wurden. Allein die völlig legale Inanspruchnahme von Sozialleistungen wird als Betrug diffamiert. Es wird auch gezeigt, wie zunächst Mi­gran­t*in­nen entrechtet werden, aber zukünftig auch Menschen mit deutschem Pass betroffen sind.

„Mit dem Podcast wollte ich die Konflikte sichtbar machen, die Fragen wie Verdrängung aus dem Wohnraum, segregierte Arbeitsmärkte und ein zunehmend repressiv gegenüber bestimmten Mi­gran­t*in­nen­grup­pen agierendes deutsches Sozialsystem prägen“, begründet die an der Universität Duisburg lehrende Soziologin Polina Manolova die Idee zu dem Podcast.

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