Raddemo in Bremen: Ärger im Fahrradparadies

Die Bemühungen für mehr Rad- und Fußwege in Bremen reichen noch nicht aus, finden BUND und ADFC – und demonstrieren.

Eine Frau reckt ihr Fahrrad in die Höhe

Die Straße gehört auch denen ohne Motor: Fahrraddemo 2020 in Bremen Foto: Sina Schuldt/dpa

BREMEN taz | Bremen ist die fahrradfreundlichste Großstadt Deutschlands – laut einer deutschlandweiten Befragung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Trotzdem ruft ausgerechnet der ADFC Bremen zu einer Fahrraddemo auf – für mehr Fahrradwege und weniger Platz für Autos. Mit dabei ist der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

„Wir sind auf das Auto angewiesen, weil die Politik dafür gesorgt hat“, sagt Sven Eckert, der Pressesprecher des ADFC Bremen. Die Zukunft der Stadt soll möglichst schnell möglichst autofrei werden. In der Ankündigung fordern sie eine „umwelt- und sozial gerechte Mobilitätswende“. Anlass ist ein bundesweiter Aktionstag mit dem Motto „Wald statt Asphalt“.

Aber warum gerade in der angeblich so fahrradfreundlichen Hansestadt? Immerhin sind dort mit dem Verkehrsentwicklungsplan von 2014 weitreichende Veränderungen, besonders im Innenstadtgebiet, geplant: Über neue Fahrradbrücken sollen Bre­me­r*in­nen und Leute aus dem Umland künftig über die Weser fahren können, von Autos verstopfte Knotenpunkte wie die Domsheide und der Brill umgestaltet werden.

Die Fahrraddemo von BUND und ADFC startet am Samstag, 5. Juni, um 13 Uhr am Weserwehr. Danach fährt die Gruppe durch die Innenstadt und Martinistraße zum Marktplatz, wo um 15 Uhr die Abschlusskundgebung stattfindet.

Bereits um 10 Uhr startet am Hauptbahnhof eine andere Fahrraddemo zum Aktionstag „Wald statt Asphalt“, organisiert von „Ende Gelände“.

Unter dem Motto „Autobahnausbau stoppen“ führt diese frühere Demo auch über die B6 und den Autobahnzubringer Hemelingen. Bundesweit wurden in den letzten Tagen ähnliche Fahrraddemos auf Autobahnen abgesagt (taz nord berichtete).

Den Verkehrsentwicklungsplan nennt Eckert ein „wunderbares Papier“. Das Problem sei allerdings, dass man von den sieben Jahre alten Beschlüssen bis jetzt nicht viel auf den Straßen sehe. Es gebe zwar streckenweise gute Fahrradwege, aber die seien wiederum schlecht angebunden, sagt Eckert, und: „Eine Infra­struktur ist nur so gut wie ihr schlechtester Abschnitt.“

Die Bilanz von BUND-Sprecher Martin Rode fällt ähnlich aus: „Das ist ein interessanter, guter Plan, der aber die Notwendigkeit des Klimaschutzes nicht mitdenkt.“ Der BUND setzt sich für bessere Bus- und Bahnverbindungen ein, die in Bremen an vielen Stellen, zum Beispiel in Horn, noch fehlen. Das liege zum einen an zu wenig Geld, zum anderen an fehlendem politischen Willen, sagt Rode.

Und wer genau blockiert? „Also, die Grünen sind es nicht“, sagt Eckert. „Die SPD ist da nicht so hinterher“, konkretisiert Rode vom BUND. Zwar seien sie auf dem Papier für die Verkehrswende, würden aber in einigen Entscheidungen weiterhin am Auto als Symbol für sozialen Aufstieg festhalten. Die Forderungen von BUND und ADFC, die Martinistraße in Zukunft einspurig zu gestalten, lehne die Fraktion ab.

Obwohl eine Spur pro Richtung die Autos nicht spürbar einschränken würde. Ebenso stünde die Fraktion in Bremen der Erhöhung von Parkgebühren skeptisch gegenüber.

„Wir sind für die Verkehrswende“, sagt Anja Schiemann, „aber es muss auch sozial verträglich sein.“ Sie ist verkehrspolitische Sprecherin bei der SPD Bremen. Der einspurigen Martinistraße stimme sie nicht zu, weil das den Autoverkehr bloß in andere Straßen verdränge, zum Beispiel in die eh schon auto­geplagte Neustadt.

Und auch die SPD ist für höhere Anwohnerparkgebühren von bis zu 100 Euro je nach Autogröße – aber nicht so hohe, wie sie die beiden Umweltorganisationen fordern. Ihre Fraktion habe alle Bre­me­r*in­nen und auch Pend­le­r*in­nen im Blick: „Da haben BUND und ADFC jetzt nicht so viel Verständnis für.“

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