Proteste in Russland: Herzen gegen die Repression

Am Valentinstag bilden Frauen in Moskau bei minus 20 Grad eine Menschenkette. Für den Kreml ist das ein „hybrider Krieg“ des Westens.

Frauen in Russland halten gemeinsam ein Band. Sie tragen Rosen in den Händen und Herzen

Mit Rosen und Herzen gegen die Diktatur Foto: Alexander Zemlianichenko/dpa/AP

Sie haben rote Rosen mitgebracht, rote Luftballons in Form von Herzen – und ein weißes Band. Mehr als 300 Frauen stellen sich am Sonntag bei minus 20 Grad in die Moskauer Fußgängerzone, halten sich am Band fest und rufen: „Freiheit für die Politgefangenen“ oder „Liebe ist stärker als Angst“. Feministinnen hatten zu der Aktion aufgerufen, um Solidarität mit Julia Nawalnaja, der Frau des inhaftierten Kremlkritikers Alexei Nawalny, zu zeigen und an die Frauenproteste in Belarus zu erinnern.

Und sie wollen ihren Unmut über die Massenverhaftungen nach den jüngsten Protesten ausdrücken. Die Polizei lässt sie zunächst gewähren. Für Störungen sorgen die Männer von SERB, einer radikalen „Befreiungsbewegung“, wie sie sich selbst nennen. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, Aktionen, die die Machtstrukturen kritisieren, zu torpedieren. Mitglieder der „Nationalen Befreiungsbewegung“ (NOD), einer ebenfalls radikalen Randgruppe, haben sich Helme mit der Aufschrift „Nato“ übergezogen und laufen mit Spielzeuggewehren an den Frauen entlang.

Währenddessen leuchten im fernen Osten des Landes Menschen mit ihren Smartphones in die Luft. Sie stellen Kerzen in Form von Herzen in den Schnee und filmen sich dabei. Es ist eine neue Form des Protests, zu dem das Team um Nawalny aufgerufen hatte, um dem brutalen Zugriff des Staates zu entgehen. Außenamtssprecherin Maria Sacharowa nannte die Aktion im Vorfeld eine von der Nato instruierte, subversive Arbeit.

Das Staatsfernsehen widmete dem Vorhaben ganze Sendungen – und machte unfreiwillig Werbung dafür. Es werde ein „hybrider Krieg“ gegen Russland geführt, wetterte der Duma-Abgeordnete Pjotr Tolstoj. Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, im Kreml finde man das „Katz-und-Maus-Spiel“ „uninteressant“, drohte allerdings mit harten Konsequenzen.

Junge Menschen im Visier

Jegliche Form des Protests ist derzeit gefährlich im Land. Gerade junge Menschen nimmt der Staat ins Visier. Manchen Stu­den­t*in­nen droht man mit dem Verlust des Wohnheim- oder Studienplatzes, sollten sie sich an der Aktion des Nawalny-Teams beteiligen. Man solle am Valentinstag lieber den Polizisten Blumen schenken, hieß es bei der Innenbehörde.

Präsident Wladimir Putin wiederholte im Staatsfernsehen seine abschätzige Haltung zu den Protesten. Dabei sprach er den Teil­neh­me­r*in­nen jegliche Selbstbestimmung ab. Der Westen wolle Russland, das so viel besser dastehe in der Welt, in die Knie zwingen und nutze jede Chance, das Volk gegen Russland einzusetzen. „Ganz offensichtlich ist das so, ich weiß das“, sagte er.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben