Proteste in Burkina Faso: Tränengas gegen De­mons­tran­t*in­nen

In Burkina Faso haben erneut vor allem junge Menschen gegen die Regierung protestiert. Die Stimmung ist aufgeladen wie seit Jahren nicht mehr.

Auf einer Straße brennt eine kleine Barrikade

Proteste in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou am Samstag Foto: ap

COTONOU taz | Brennende Autoreifen, Tränengas gegen Demonstrant*innen, Barrikaden und jede Menge Wut und Zorn. Das ist die Bilanz des groß angekündigten Protesttages in Burkina Faso, den die Regierung von Marc Roch Christian Kaboré noch in letzter Minute verbieten lassen wollte. Seit Tagen funktioniert zudem das mobile Internet nicht mehr.

Doch die Verhinderungsbemühungen blieben ohne Erfolg. Hunderte Menschen gingen am Samstag trotz Verbots nicht nur in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou, sondern auch in Bobo-Dioulasso im Südwesten sowie in Kaya und Dori nördlich der Hauptstadt auf die Straßen. Sie werfen dem Präsidenten Unfähigkeit im Anti-Terror-Kampf vor und fordern seinen Rücktritt. Auf einem Pappschild war zu lesen: „Eure schönen Diskurse bringen nichts.“ Burkina Faso erlebt aktuell die größte Sicherheitskrise seit der Unabhängigkeit im Jahr 1960.

Dazu aufgerufen hatte die gerade gegründete „Koalition 27. November“, der unter anderem die Bewegung „Rettet Burkina Faso“ angehört. Sie twittert über Verhaftungen und verletzte Teilnehmer*innen. Die Rede ist von einem Kind und zwei Journalist*innen.

Verschiedenen Berichten zufolge haben im Nachbarland Niger De­mons­tran­t*in­nen in der Stadt Téra zudem einen französischen Militärkonvoi blockiert. Bei den Protesten sind zwei Menschen gestorben, 18 wurden verletzt. Der Konvoi war zuvor auch in Burkina Faso festgesetzt worden, konnte dann nach Verhandlungen weiterfahren.

Kaboré verkündet und verspricht vieles

Die Blockade ist ein Zeichen für die große Unzufriedenheit über die französische Militärpräsenz im Sahel. Im Rahmen der Mission Barkhane sind in Mali 5.100 Angehörige der französischen Armee stationiert. Die Sicherheitslage hat sich aber nicht verbessert. Vor allem in sozialen Netzwerken gibt es immer wieder Gerüchte, dass die Sol­da­t*in­nen der einstigen Kolonialmacht womöglich mit den Terrorgruppen kollaborieren. Mohamed Bazoum, Präsident des Niger, hat sich am Freitagabend in einer Ansprache aber klar zur französischen Präsenz in der Region bekannt. Ansonsten würde das Chaos ausbrechen.

Einen Tag zuvor hatte sich in Burkina Faso auch Kaboré geäußert und versprochen, die Störungen innerhalb der Armee zu beenden. Sie würden die Moral der Kampftruppen untergraben und ihre Fähigkeit, bewaffnete Terrorgruppen zu bekämpfen, behindern. Auch soll eine neue Kampagne zur Korruptionsbekämpfung gestartet werden.

Kaboré kündigte auch an, den Anschlag in Inata in der Provinz Soum untersuchen zu lassen und versprach Konsequenzen. Der Angriff auf die dortige Gendarmerie vor zwei Wochen hatte die Proteste losgetreten. Vier Zi­vi­lis­t*in­nen und 53 Sicherheitskräfte waren dabei ums Leben gekommen. Es ist einer der schwersten Anschläge auf Sicherheitspersonal im Sahel.

Verschlechtert hat sich die Lage in Burkina Faso allerdings bereits seit Anfang 2016 kontinuierlich. Durch Angriffe mehrerer Terrorgruppen und Überfälle von Banditen sind seit mindestens 2.000 Menschen getötet worden, mehr als 1,4 Millionen wurden vertrieben. Kaboré kam Ende 2015 nach dem Sturz des Langzeitherrschers Blaise Compaoré an die Macht.

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