Proteste gegen britische Sparpolitik: Milliardenkürzung im Sozialhaushalt
Hundertausende protestieren in Großbritannien gegen die konservative Sparpolitik. Allein in London waren es 150.000.
An der Demonstration, die ohne Zwischenfälle verlief, nahmen Gewerkschafter, Labour-Anhänger, Atomwaffengegner, Kinder und Jugendliche, ein paar Vermummte sowie einige Prominente teil, darunter der Schauspieler Russell Brand und die Sängerin Charlotte Church.
Nordirlands stellvertretender Premierminister Martin McGuinness sagte auf der Abschlusskundgebung auf dem Parliament Square; „David Cameron und sein Kabinett der Millionäre sind die wahren Schmarotzer. Sie haben grünes Licht bekommen, um ihre thatcheristischen Fantasien auf Kosten der normalen, anständigen Menschen im Land auszuleben.“
Die einzige Abgeordnete der Grünen, Caroline Lucas, sagte: „Austerität funktioniert nicht. Die Menschen, die Arbeitslosenhilfe kassieren, haben die Banken nicht zugrunde gerichtet.
Sparwelle folgt auf Sparwelle
Die Labour-Politikerin Diane Abbott, die Bürgermeisterin von London werden will, sagte: „Es ist traurig, dass nicht mehr Labour-Abgeordnete hier sind. Labour sollte eine Alternative aufzeigen.“ Der linke Labour-Abgeordnete Jeremy Corbyn war der einzige der vier Kandidaten, die um die Führung der Labour-Partei kämpfen, der sich auf der Demonstration blicken ließ.
Die Demonstranten forderten in Sprechchören Gleichheit, mehr Unterstützung für die Armen und ein Ende der Tory-Regierung. Die ist aber erst Anfang Mai gewählt worden. Die Tories haben im Wahlkampf kein Hehl daraus gemacht, dass sie den Sozialhaushalt um 12 Milliarden kürzen wollen. Und daran halten sie fest.
In den vergangenen Wochen ist spekuliert worden, dass die Kürzungen abgemildert werden könnten, nachdem bereits in der vorangegangenen Legislaturperiode 21 Milliarden gekürzt worden sind. Mehr als 200.000 Menschen haben in einer Petition gefordert, dass die Regierung Zahlen veröffentlicht, wie viele gestorben sind, nachdem ihnen die Sozialleistungen gestrichen wurden. Die letzte bekannte Zahl bezog sich auf den Zeitraum Januar bis November 2011. Damals waren es 10.600 Menschen.
Doch Schatzkanzler George Osborne lässt sich nicht beirren. Gestern veröffentlichte er gemeinsam mit dem Arbeitsminister einen Artikel in der Sunday Times, in dem er erklärte, dass er die Kürzungen durchziehen werde. „Diese Regierung hat bei den Wahlen das Mandat erhalten, weitere Einsparungen beim 220 Milliarden schweren Sozialhaushalt vorzunehmen“, schrieben sie.
„Die einzelnen Maßnahmen werden wir im Haushaltsplan bekannt geben. Es hat viele Jahre gedauert, bis die Sozialausgaben außer Kontrolle geraten sind, und das Projekt, das System wieder in vernünftige Bahnen zu lenken, wird ein Jahrzehnt oder länger dauern.“ Die Reform der Sozialkürzungen sei die wichtigste Mission der Regierung.
Eine Koalition, die was bewegt: taz.de und ihre Leser:innen
Unsere Community ermöglicht den freien Zugang für alle. Dies unterscheidet uns von anderen Nachrichtenseiten. Wir begreifen Journalismus nicht nur als Produkt, sondern auch als öffentliches Gut. Unsere Artikel sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Mit unserer Berichterstattung versuchen wir das zu tun, was wir können: guten, engagierten Journalismus. Alle Schwerpunkte, Berichte und Hintergründe stellen wir dabei frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade jetzt müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Was uns noch unterscheidet: Unsere Leser:innen. Sie müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Es wäre ein schönes Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Klimaneutral bis 2045?
Grünes Wachstum ist wie Abnehmenwollen durch mehr Essen
Leak zu Zwei-Klassen-Struktur beim BSW
Sahras Knechte
Friedensforscherin
„Wir können nicht so tun, als lebten wir in Frieden“
Nach Hitlergruß von Trump-Berater Bannon
Rechtspopulist Bardella sagt Rede ab
CDU-Chef Friedrich Merz
Friedrich der Mittelgroße
Wahlentscheidung
Mit dem Wahl-O-Mat auf Weltrettung