Proteste gegen Thailands Monarchie: Ein Zeichen großen Mutes

Junge ThailänderInnen fordern öffentlich eine neue Verfassung. Sie legen sich mit einer mächtigen Elite an.

Demonstrantinnen halten Schilder hoch.

Studenten in Bangkok fordern am 13. August die Änderung der Verfassung in Thailand Foto: Soe Zeya Tun/reuters

Thailands protestierenden Studierenden und jungen AktivistInnen ist das Risiko bewusst: Kritik an den antidemokratischen Verhältnissen und insbesondere an Monarchie und Militär zu äußern, kann sie hinter Gitter bringen – oder gar lebensgefährlich sein. Denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass das royalistische und ultrakonservative Establishment aus führenden Generälen, Aristokraten und Technokraten seine Narrative von der Dreieinigkeit „Nation, Religion und König“ – wenn nötig – bis aufs Blut verteidigen wird.

Forderungen, die vor wenigen Tagen auf einem Campus der Bangkoker Thammasat-Universität verlesen wurden, zielen auf eine nachhaltige Reform der thailändischen Monarchie ab, die längst als Anachronismus gilt und als deren Beschützer sich das Militär nur deswegen aufspielt, um den eigenen Machtanspruch zu legitimieren. Zumal das Königshaus in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt Putsche abgesegnet hatte.

Als sich Studierende der Thammasat-Universität 1976 gegen die Rückkehr eines drei Jahre zuvor aus dem Land gejagten Militärmachthabers auflehnten, spitzte sich die Krise binnen kurzer Zeit zu: Als „Kommunisten“ verunglimpft, wurden viele Protestierende von rechtsgerichteten Gruppierungen sowie Sicherheitskräften ermordet, vergewaltigt und verstümmelt. Bis heute gilt das Massaker an der Thammasat-Universität vom 6. Oktober 1976 als einer der dunkelsten Tage in Thailands jüngerer Geschichte.

Umso mehr ist es Ausweis großen Mutes, dass aktuell so viele ThailänderInnen aus der jungen Generation öffentlich Änderungen der politischen Verhältnisse fordern, etwa eine Absetzung der militärnahen Regierung und eine neue Verfassung. Zu Recht wollen sie die vom alten Establishment gepredigte Dreieinigkeit von „Nation, Religion, König“ so nicht mehr mittragen. Und sie haben zu Recht die Nase voll davon, dass eine privilegierte, aber vergleichsweise kleine Elite meint, über den Willen von Millionen andersdenkender Landsleute bestimmen zu können.

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