Protest gegen Verdrängung von Kiezkneipe: Die Meuterei macht wieder Theater
Ein Jahr ist seit der Räumung der Kreuzberger Kiezkneipe Meuterei vergangen. Dies nahm das Kollektiv zum Anlass für eine Kundgebung.
Ein frühlingshafter Abend in der zurückliegenden Woche in Kreuzberg, in der Reichenberger Straße 85 stellt ein Mann Barhocker draußen vor dem Haus auf, in dem bis vor einem Jahr die linke Kneipe Meuterei war. Er zündet sich eine Zigarette an und sagt: „Dass ich zu früh zum Dienst erscheine, kommt auch selten vor.“ Als der erste Gast sich an den Draußen-Tresen setzt, er ist Teil des zivilgesellschaftlichen Bündnisses Zwangsräumung verhindern, wird er gefragt, ob er denn das gleiche wie immer haben möchte. Der Gast nickt. Szenen, die sich noch im letzten Jahr in den Innenräumen der Kneipe abgespielt haben – und nicht, wie an diesem Abend, draußen auf dem Gehweg.
Am Freitag jährte sich die Räumung der Kreuzberger Kiezkneipe Meuterei zum ersten Mal. Dies nahm das Kollektiv zum Anlass, eine Kundgebung vor den, immer noch leerstehenden, ehemaligen Räumen zu halten. Unter dem Motto „13 Jahre sind nicht genug!“ – die Meuterei war 12 Jahre lang in der Reichenberger Straße 85 beheimatet – führte das Performancekollektiv „No budget, no skills“ ein kleines Theaterstück auf.
Man wolle mit dem Stück „den chaotischen, lustigen, bunten und aktionistischen 13 Jahren ihren Tribut zollen“, so das Kollektiv. Ein Ziel, das, dem tobenden Applaus der Kundgebungsteilnehmer*innen nach zu urteilen, durchaus erreicht wurde. Laut Schätzungen der Polizei versammelten sich etwas mehr als 100 Leute vor der ehemaligen Meuterei.
Mehr als nur eine Kneipe
„Die Idee des Abends war es, die Meuterei so darzustellen, wie sie mal war“, sagt Heiko, einer der Mitglieder des Kneipenkollektivs. Für ihn war die Meuterei mehr als nur ein Ort, an dem Bier ausgeschenkt wurde. Eine Meinung, die auch viele andere an diesem Abend teilen. Einer von ihnen ist Christian vom Syndikat, einer bereits im August 2020 geräumten Kiezkneipe in Neukölln. „Die Meuterei war für mich ein kollektiv genutzter Raum, den man für politische Veranstaltungen und Konzerte oder einfach zum Freunde treffen nutzen konnte.“ Orte wie diese fehlten ihm mittlerweile in Berlin. „Ich hoffe, dass die Meute so schell wie möglich Ersatzäume findet“ – und dann vielleicht auch „endlich mal Fassbier“ verkaufe, sagt er mit einem Lachen.
Es gestaltet sich allerdings durchaus schwierig, neue Räume zu finden. Denn da man schließlich eine Kiezkneipe ist, wolle man als solche auch im Kiez bleiben, sagt Heiko. Man habe auch bereits das ein oder andere Gespräch geführt, konkret sei aber noch nichts. Ein Problem sei, dass die meisten Mietverträge nur für ein Jahr befristet seien. Trotz allem gebe man nicht auf, sagt Heiko – und ist optimistisch, dass man sich auch bald wieder drinnen an einem Tresen sehen wird.
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