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Protest gegen Fehmarnbelt-TunnelDie Beltretterin

Ananda Julia Albert will den Bau des Fehmarnbelt-Tunnels verhindern. Der zerstöre die Natur und vertreibe Touristen. Daran hängt ihre Existenz.

Soll bald mit der dänischen Insel Lolland verbunden sein: Fehmarn. Foto: dpa
Andrea Maestro

Aus Hamburg

Andrea Maestro

taz | Von ihrem Fenster aus schaut Ananda Julia Albert über Weizen- und Rapsfelder. Dahinter liegt die Europastraße 47. Ein Teil der sogenannten Vogelfluglinie zwischen Hamburg und Kopenhagen. „Wenn der Wind ungünstig steht, können wir den Verkehr hier hören“, sagt sie.

Das ist allerdings nichts gegen den Lärm, der den Fehmaranern bevorsteht, sollte der geplante Tunnel durch den Belt nach Lolland gebaut werden. Dann sollen 79 Güterzüge pro Tag über die Insel donnern und die Straße soll auf vier Spuren verbreitert werden. Dagegen wehrt sich die 29-Jährige.

Die Insulanerin engagiert sich in der Initiative „Beltretter“. Die hat sich Anfang Juni aus vierzehn kleinen Naturschutz- und Anwohnerinitiativen zusammengeschlossen. Zum Auftakttreffen kamen rund 300 Interessierte.

Gemeinsam prüfen sie nun eine Klage gegen den Tunnel und informieren Anwohner entlang der Trasse. „Wir wollen den Tunnel verhindern“, sagt Albert. Ihre Forderung: „Deutschland muss aus dem Staatsvertrag mit Dänemark aussteigen.“

Ananda Julia Albert

29, ist Sprecherin der Initiative "Beltretter", lebt auf Fehmarn und arbeitet auf dem elterlichen Bio-Hof.

Die gelernte hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin sorgt sich vor allem um das Ökosystem Ostsee, die Natur auf der Insel – und um die Touristen. Sie selbst arbeitet auf dem Biohof ihrer Eltern. Acht Ferienwohnungen vermieten sie an Urlauber, gerade ist Hochsaison.

Da arbeitet sie bis zu zwölf Stunden am Tag, kümmert sich um Buchungen, steht im Hofladen hinter dem Tresen, meditiert mit den Gästen oder gibt Kochkurse in vegetarischer Ernährung. „Aber wer will hier noch Urlaub machen, wenn hier Nordeuropas größte Baustelle entsteht?“, fragt sie.

Für Albert ist die Frage existenzbedrohend. Sie und ihre Schwester wollen den Hof „Nature Homes“ übernehmen. „Mit der Planungsunsicherheit können wir aber nicht investieren.“

Unnötig sei die Verbindung zwischen Fehmarn und Lolland obendrein. „Nicht einmal die Fähren sind ausgelastet.“ Viele Fehmaraner hätten trotzdem resigniert. Albert will sie aufrütteln: „Noch ist nichts entschieden, nichts zu spät.“  

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1 Kommentar

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  • "Daran hängt ihre Existenz."

     

    Das ist wohl wieder der Knackpunkt. Dass man etwas mit Naturschutz und Kosten argumentiert, ist bei solchen Protesten in der Regel vorgeschoben. Da geht's um die bisherigen Privilegien des Einzelnen, der seine Partikularinteressen über das Gemeinwohl stellen möchte. Ich find's auch immer schön, wenn beim ÖPNV-Ausbau plötzlich SUV-Fahrer ihre Bedenken über Vögel in Stadtbäumen äußern. "Aber wenn die Parkplätze da wegfallen und Busse so dicht mit eigener Spur an den Bäumen entlangfahren, kann doch niemand garantieren, dass es nicht zu Kollisionen kommt."